Nach Tag des Kinderfußballs

„Nehmt den Kindern bitte nicht den Fußball“: Funino im Praxistest – was ist Ihre Meinung?

29.09.2022 | Stand 30.09.2022, 7:15 Uhr

Spiel auf Minitore soll bei den Kleinen künftig Standard werden. −Foto: Escher

Geht es nach den Verantwortlichen im Bayerischen Fußball-Verband (BFV), ist die Sache klar: „Die Kinder sind mit großer Begeisterung dabei – mehr Dribblings, mehr Tore, mehr Spielspaß. Das kommt an“, stellte Verbands-Jugendleiter Florian Weißmann nach dem „Tag des Kinderfußballs“ fest.

Bayernweit hatte der BFV 8000 Nachwuchsfußballer auf 130 Veranstaltungen Funino spielen lassen. Funino ist eine Spiel- und Trainingsform, bei der zwei Dreier-Teams auf vier Minitore kicken. Sie soll die Spielintelligenz fördern und alle Spieler gleichermaßen fordern. Auch in Holzfreyung (Lkr. Freyung-Grafenau) wurde an diesem Tag Mini-Fußball in diesem Format gespielt – die Wahrnehmung vor Ort unterschied sich allerdings deutlich von der des Verbandes. „Nehmt den Kindern bitte nicht den Fußball, so wie wir ihn alle kennen und lieben!“, fasste Christian Obermüller, F1-Trainer bei der Holzfreyunger DJK, seine Eindrücke in einem Schreiben an die Redaktion zusammen.


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Dass sich in Holzfreyung die Begeisterung über die Neuerfindung des Nachwuchsfußballs in Grenze hält, hat aus Obermüllers Sicht zwei Gründe: hoher organisatorischer Aufwand für den Verein und mangelnde Akzeptanz bei den jungen Kickern. „Und wann spielen wir jetzt endlich Fußball?“, sei er am Ende des Vorbereitungstrainings zum Funino-Turnier von einem Kind gefragt worden, lässt Obermüller wissen. Die Holzfreyunger hatten das Turnier für die Spielgruppe ausgerichtet – und zeigten sich bei der Veranstaltungspremiere überrascht von den organisatorischen Herausforderungen. Obermüller: „Es waren fünf Vereine notwendig, um das notwendige Spielgerät zusammenzubekommen. Ohne die Mamas, Papas und meine Trainerkollegen wäre es undenkbar gewesen, das Turnier ordentlich durchzuführen.“

In Holzfreyung fragen sie sich nun: Warum den ganzen Aufwand, wenn der Vier-Tore-Kick den Kindern doch eh keinen Spaß macht? Bei der Nachbesprechung, so beschreibt es F-Juniorentrainer Obermüller, seien sich alle 14 verantwortlichen Trainer einig gewesen: „Lasst uns einfach Fußball spielen!“, habe das Urteil gelautet. Dabei ist Obermüller gar nicht grundsätzlich gegen Funino. „Mir sind die Vorteile dieser Spielform bewusst und ich verwende sie auch gerne im Training“, stellt er fest. Aber er sieht in der Spielform keinen Ersatz für den „wirklichen“ Fußball, sondern eine Ergänzung. Für Obermüller ist klar: „Der Straßenfußballer, den der Verband fordert, will auf ein Tor mit Tormann schießen!“ Für den Spielbetrieb schlägt er deshalb einen Wechsel aus traditionellem Fußball und Funino vor. Damit könnten bestimmt alle leben, meint Obermüller. Denn: „Wenn es nur noch Funino geben würde, ginge mehr verloren als gewonnen würde.“

− mjf