Zwei Aufstiege innerhalb von 24 Stunden
Kevin Hauke und Jürgen Filp beenden ihre Trainertätigkeit beim SV Waidhofen auf die bestmögliche Art

06.06.2024 | Stand 06.06.2024, 21:46 Uhr |

Der SV Waidhofen geht steil: Nur 24 Stunden, nachdem das erste Team der Paartaler den Meistertitel 2023/24 in der A-Klasse Aichach eingefahren hatte, machte die Reservemannschaft am Donnerstagabend den Aufstieg aus der B-Klasse Aichach perfekt. Zwar geriet sie gegen den TSV Hollenbach III durch einen von Florian Dax verwandelten Elfmeter früh mit 0:1 in Rückstand (15.) – aber nach dem Seitenwechsel wurde das von ihr doch noch in einen fulminanten 5:1-Kantersieg umgewandelt. Die Torschützen der Paartaler hießen hierbei Daniel Altmann (51./Elfmeter), Simon Fröhlich (58.), Georg Trompler (80.) – und Jürgen Filp (85./87.). Ja, der 45-Jährige schnürte in seinem Abschiedsspiel für den SV Waidhofen tatsächlich noch einen Doppelpack. Und anschließend wurde nochmals so richtig gefeiert. Foto: R. Kaufmann

Natürlich lief Jürgen Filp am gestrigen Donnerstagabend für den SV Waidhofen II auf. Dass er keine 24 Stunden zuvor noch den A-Klassen-Meistertitel 2023/24 mit der ersten Vertretung der Paartaler eingefahren hatte, dass unmittelbar danach eine dementsprechend üppige Fete zu überstehen war: kein Problem für den 45-Jährigen. Er wollte sich von alledem nicht das Geringste entgehen lassen, wollte noch einmal jeden Augenblick in Waidhofen in vollen Zügen genießen – unmittelbar vor seinem Abschied als Spielertrainer des SVW. Beziehungsweise unmittelbar vor seinem Wechsel zur DJK Langenmosen II.

Reserveteam legt am Donnerstagabend nach

Und als sei der Gewinn der Meisterschaft in der A-Klasse Aichach nicht schon toll genug gewesen, setzten die Paartaler eben am Donnerstagabend noch einen drauf: Mit einem 5:1 (0:1)-Heimtriumph gegen den TSV Hollenbach III sicherte sich die Reserve-Elf des SVW da endgültig den zweiten Direktaufstiegsplatz in der B-Klasse Aichach, ist auch theoretisch nicht mehr vom FC Schrobenhausen zu verdrängen. Ja, so kann man mal Servus sagen. Filp und Kevin Hauke – sein kongenialer Partner auf dem Waidhofener Trainerposten, der die Paartaler ebenfalls verlässt – gehen nun als waschechte Doppelaufsteiger. Sie brachten jetzt etwas fertig, was in der 78-jährigen SVW-Historie einzigartig ist.

„Irgendwie kann ich das alles noch nicht so richtig fassen, alles fühlt sich noch so unwirklich an“, so Hauke bereits am Mittwochabend – unmittelbar nach dem 7:1-Kantersieg gegen die WF Klingen. Viel mehr konnte der 34-Jährige dann nicht mehr sagen. Regelrecht gerührt stand er da und versuchte, in aller Stille jene wohl unvergesslichen Momente aufzusaugen, in denen seine Mannschaft ausgelassene Jubeltänze aufführte, Bengalos zündete, ihrer riesigen Freude freien Lauf ließ.

Sechs Jahre lang war Hauke für den SVW als Chefcoach tätig gewesen, Filp sogar ein Jahr länger. „Es war jetzt also höchste Zeit, dass wir die Aufstiege hinbekommen haben“, so Letztgenannter mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Sowie der einen oder anderen Träne, die ihm über die Wangen kullerte. Wohl keiner stand in der jüngsten Vergangenheit so für den Fußball in Waidhofen wie Filp – obwohl er mit seiner Familie schon seit Längerem in Mühlried beheimatet ist. Dass er in der neuen Saison plötzlich für einen anderen Verein arbeiten wird, nämlich die DJK Langenmosen: aktuell irgendwie noch schwer vorstellbar.

Aber wie heißt es immer wieder so schön: Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Filp sowie Hauke tun das jetzt beim SVW. Und sie hinterlassen ihrem Nachfolger Alexander Eppinger zwei hundertprozentig intakte Mannschaften mit einer Riesenportion an spielerischem Potenzial, von denen auch nach ihren jeweiligen Aufstiegen wieder eine ganze Menge zu erwarten ist.

Was Hauke und Filp zuletzt für den SV Waidhofen geleistet haben, mit welcher Akribie sie ihre Arbeit verrichteten – das weiß natürlich auch der Vereinsvorsitzende Erwin Kothmayr. Demzufolge ist es ihm ein großes Anliegen, die Beiden angemessen zu verabschieden. „Am 15. Juni findet unsere offizielle Saisonabschlussfete statt, das ist dafür ein würdiger Rahmen“, so der 56-Jährige.

Zuschauereinnahmen gehen an Hochwasseropfer

Ja, die SVW-Fußballer haben momentan viel Grund, zufrieden durchs Leben zu gehen – ganz im Gegensatz zu vielen Schrobenhausener Bürgern, denen durch das jüngste Hochwasser übel mitgespielt wurde. Daher ist es dem SV Waidhofen nun ein wichtiges Bedürfnis, auch in dieser Hinsicht tätig zu werden – nämlich mit einer satten Geldspende für die Flutopfer vom Wochenende. „Alle unsere Zuschauereinnahmen vom Mittwoch- sowie Donnerstagabend werden komplett dafür verwendet“, verspricht Kothmayr: „Das dürften wohl an die 2000 Euro sein.“

Diese Geste wird umso lobenswerter, wenn man bedenkt, dass der SVW selbst gerade jeden Cent gut für seine Sportheimrenovierung gebrauchen könnte. „Aber wir in Waidhofen haben eine große Verbundenheit zu Schrobenhausen, und dort wird das Geld aktuell noch mehr benötigt als bei uns“, sagt Kothmayr.

SZ