Zusammen über ein Jahrhundert alt
Franz-Xaver Sedlmair und Sven Rechenauer: zwei Oldies, die über ihren geliebten Fußballsport eine Menge zu sagen haben

08.01.2024 | Stand 08.01.2024, 17:45 Uhr

Absolvierte beim Sparkassencupturnier 2024 stolze sechs Spiele: Franz-Xaver Sedlmair (l.) vom TSV Hohenwart. Foto: M. Schalk

Den Sven Rechenauer von der DJK San-dizell muss man einfach mögen. Ebenso den Franz-Xaver Sedlmair, den eigentlich alle nur „Sexy“ nennen, vom TSV Hohenwart. Die Beiden: zwei absolute Sympathieträger für den Fußball im Altlandkreis Schrobenhausen. Zwei Originale, fast schon Vorbilder – trotz ihrer jeweils bereits 54 Jahre auf dem Buckel. Oder genau deswegen?

Egal. Sie leben jedenfalls ihren Sport wie kaum jemand anderes. Wenn es nur irgendwie geht, mischen sie weiterhin kräftig mit. So war es für Sedlmair selbstverständlich, auch am Sonntag bei der inoffiziellen Hallenmeisterschaft 2024 des Altlandkreises auf dem Platz zu stehen und dort um jeden Ball zu fighten, als gäbe es kein Morgen mehr – exakt 19982 Tage nach seiner Geburt. Rechenauer hingegen musste 20136 Tage nach seiner Geburt schweren Herzens passen. Was ihm jedoch nicht davon abhielt, zumindest als Zuschauer live vor Ort zu sein – und sich dann auch gemeinsam mit dem „Sexy“ von der Schrobenhausener Zeitung interviewen zu lassen.

Sven, Du saßt tatenlos auf der Tribüne, während „Sexy“ wie gewohnt seine Knochen auf dem Spielfeld hinhielt und kickte wie eh und je. Was war los bei Dir?
Rechenauer: Selbstverständlich tat mir das ein Stück weit weh. Aber es hilft ja nichts. Meine Beine machen nicht mehr so mit, wie ich will – vor allem nicht mehr in der Halle. Da musste halt auch ich mal vernünftig sein und zuschauen.

Womit der Titel „Ältester Teilnehmer am Sparkassencupturnier“ heuer kampflos an den „Sexy“ ging...
Sedlmair: Ja mei, da muss man auch mal Verständnis für den Sven haben. Er ist einfach um 154 Tage älter als ich, das merkt man eben (lacht). Aber ganz im Ernst: Ich hätte den Sven schon gerne wieder auf dem Platz gesehen. Wir hatten uns in den Jahren zuvor immer schöne Duelle gegeneinander geliefert. Eigentlich schade, dass wir nie miteinander spielten.

Aber dafür hätte Sven ja irgendwann mal zum TSV Hohenwart wechseln müssen...
Sedlmair: (lacht) Stimmt. Und ich hätte bestimmt nichts dagegen gehabt.

Rechenauer: Aber ich war noch nie ein Wandervogel – und werde es auch nie sein. Und weshalb eigentlich soll ich den Verein wechseln? „Sexy“ könnte ja auch zu mir zur DJK Sandizell kommen (lacht).

Zunächst einmal muss „Sexy“ am Wochenanfang wohl dafür büßen, dass er am Sonntag stolze sechs Spiele in der Dreifachsporthalle bestritt...

Sedlmair: Meine Jungs haben tatsächlich vor dem Turnier zu mir gesagt, dass ich am Montag danach doch bitte nicht irgendwie herumjammern soll. Aber die Gefahr besteht sowieso nicht. Bis beispielsweise Leon aufsteht, bin ich immer schon längst weg in der Arbeit.

Zurück zum Sven: Hand aufs Herz, hättest Du am Sonntag nicht zumindest ein bisschen spielen können?
Rechenauer: Das reine Auf-dem-Platz-stehen wäre nicht das Problem gewesen. Aber wie hätte ich den Tag danach aus dem Bett kommen sollen?

Ihr seid beide über 54 Jahre alt. Fragt Ihr Euch nicht manchmal, ob Ihr den Jüngeren einen Platz wegnehmt?
Rechenauer: Wenn sie besser sind als wir, dann spielen sie auch. Aber wenn nicht, stehen halt weiterhin wir auf dem Feld. Und ganz ehrlich: Es den Jüngeren zu zeigen, das mochte ich immer schon. Das motiviert mich sogar zusätzlich.

Sedlmair: Ich sehe das ähnlich. Wobei ich es mir fast ein bisschen wehtut, wie einige der Jüngeren auftreten. Natürlich sind sie zum Großteil fitter als wir beide, aber ihre Einstellung zum Fußball lässt mitunter arg zu wünschen übrig.

Rechenauer: In der Tat. Früher, als wir noch jung waren, hat man förmlich darum betteln müssen, beim Sparkassencupturnier mitspielen zu dürfen. Inzwischen muss teilweise darum gebettelt werden, dass die Mannschaften genügend Aktive zusammenbekommen.

Wie lange wird es einen Franz-Xaver Sedlmair noch beim traditionsreichen Sparkassencupturnier zu sehen geben?

Sedlmair: Ganz einfach, so lange ich laufen kann (lacht). Nachdem ich gemeinsam mit meinem älteren Sohn Leon den Pott schon mal gemeinsam geholt habe (Januar 2023; Anm. d. Red.), habe ich von meinem jüngeren, dem Marlon, sofort den dringenden Wunsch erhalten, dass ich mit ihm das Gleiche schaffen muss. Der Haken an der Sache: Er ist erst 16 Jahre alt. Ich muss also noch eine lange Zeit überbrücken, bis wir zusammen im Hohenwarter Herrenteam auflaufen können.

Aber machbar sollte es sein...

Sedlmair: Das stimmt. Und ich würde es auch als ausgesprochen schön empfinden, vielleicht sogar mit gleich beiden Söhnen in der Mannschaft den Cup zu gewinnen. Umso toller wäre das Ganze, wenn der Sven dann 2026 ebenfalls wieder mit von der Partie wäre. Hey, er hat bis dahin jetzt 24 Monate Zeit, um sich auszuruhen. Das sollte doch reichen (lacht).

Rechenauer: „Sexy“, Du kannst sicher sein, dass mich das extrem jucken würde. Und wer weiß, was bis dahin möglich ist...

Sven, Du kannst Dich doch dann doch zumindest als Keeper ins Tor stellen...

Rechenauer: Glaubst Du ernsthaft, dass mir dann anschließend nicht alles wehtun würde? Da täuscht Du Dich leider gewaltig. In Sachen Luft bin ich ja fit. Mein Problem sind meine alten Knochen. Aber wie bereits angedeutet: Schaun mer einfach mal, was in den nächsten Jahren passiert.

Rein äußerlich habt Ihr Euch beide gut gehalten. Sport hält anscheinend wirklich jung, wie immer so gerne gesagt wird...

Sedlmair: Danke fürs Kompliment. Aber es stimmt schon: Wenn ich andere in unserem Alter anschaue, die haben in der Tat bereits eine andere Frisur – mit deutlich weniger Haaren (lacht). Aber ich mache ja auch eine Menge dafür. So werde ich in den nächsten Tagen bereits wieder mit dem Lauftraining für die restliche Freiluftsaison beginnen. Würde ich das nicht tun, könnte ich tatsächlich nicht mehr mit den Jüngeren konkurrieren.

Rechenauer: Hast Du es gut. Mit Joggen auf der Straße ist bei mir schon längst Schluss. Da machen meine Knie nicht mehr mit.

Sedlmair: Hey, bei mir ist weiß Gott auch nicht alles top. Zuletzt etwa meinte mein Arzt, dass Radfahren oder Schwimmen deutlich besser für mich wären als Fußballspielen. Ich sagte dann einfach nur zu ihm: „Kein Problem, jetzt weiß ich wenigstens, dass ich einen neuen Doktor brauche.“ (lacht). Aber ganz im Ernst: Ein paar Jahre müssen sie uns auf dem Fußballplatz schon noch aushalten. Oder, Sven?

Rechenauer: Du hast Recht, ganz ohne Fußball wird es für mich nie gehen. Auch wenn sich hier einiges verändert hat.

Was genau?

Sedlmair: Früher ist man nach den Spielen noch im Sportheim sitzen geblieben, hat mit den Gegnern etwas getrunken und sich dadurch besser kennengelernt. Mittlerweile gibt es so manchen Aktiven, dem kann es nach dem Duschen überhaupt nicht schnell genug gehen, um nach Hause beziehungsweise zu Freundin oder Frau zu kommen.

Kickt Ihr Beiden im Freien eigentlich auch in so schicken bunten Fußballschuhen, die in den vergangenen Jahren immer mehr in Mode gekommen sind? Zum Beispiel „Sexy“ in rosarot oder Sven in türkisblau, das hätte in der Tat etwas...

Rechenauer: Sorry, dass ich Euch da enttäuschen muss, aber „kracherte Farben“ wird es bei mir niemals geben. Ich schwöre weiterhin auf den „Kaiser 5“ von Adidas, klassisch in Schwarz mit drei weißen Streifen. Punkt, aus.

Sedlmair: Richtig, Sven. Für mich kommt auch nur der „Coppa“ infrage – ebenfalls von Adidas, ebenfalls klassisch in Schwarz mit drei weißen Streifen. Wobei: Einmal bin ich diesem doch untreu geworden, habe mir so etwas Neumodernes gekauft. Aber nach nur einem Training sowie einem Spiel mit ihm brach ich mir das Schienbein – und anschließend habe ich das Teil sofort in die Mülltonne geworfen.

Das Gespräch führte Roland Kaufmann.