Auf dem Weg zum Profi
Ziel Eishockey-Profi: ERC-Talente sollen bei Kooperationspartner EC Peiting Oberliga-Erfahrung sammeln

04.07.2024 | Stand 04.07.2024, 19:00 Uhr |
Martin Wimösterer

ERC-Goalie Erik Eder ist einer der Nachwuchs-Spieler, die bei Oberligist EC Peiting zum Einsatz kommen sollen. Foto: imago Images

Stephan Daschner galt lange Zeit als einer der wenigen Eishockey-Spieler, die es aus Ingolstadt bis ins Profigeschäft geschafft hatten. Der heute 35-Jährige war, die ERC-Junioren gehörten seinerzeit nicht zu den deutschen Schwergewichten, für den finalen Schritt zum EV Landshut gegangen. So ein Umweg ist heute nicht mehr nötig, findet Billy Trew, Nachwuchskoordinator der Panther: „Viele Jugendliche aber auch ihre Eltern wollen, dass die Kinder in Ingolstadt spielen. Unser Ruf ist ein ganz anderer geworden.“

Ein gutes Indiz waren die vergangenen Play-offs in der Top-Division der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL): Dort, auf der höchsten Stufe des deutschen Junioreneishockeys, sind die Jungpanther inzwischen angekommen und hatten es mit dem seit Jahrzehnten hervorragenden Nachwuchs des EVL zu tun. Die Viertelfinalserie ging zwar haarscharf an Landshut, den späteren Meister. Doch der ERC, sagt Trew, „gehört jetzt zu den top Nachwuchsvereinen. Da muss keiner mehr weggehen, wir können teilweise besser ausbilden als andere.“ Er verweist auf gutes Tutoring und gute Trainer.

EC Peiting ersetzt Bayreuth Tigers



Ein Baustein der Ausbildung ist die Kooperation, die der ERC mit einem Drittligisten eingegangen ist. ERC-Talente wie Nachwuchsnationaltorhüter Erik Eder, Verteidiger Ryan Odude und Stürmer Sebastian Laßmann kommen künftig mit einer sogenannten Förderlizenz bei Bedarf auch beim EC Peiting zum Einsatz. „Wir hatten in der vergangenen Saison eine Kooperation mit den Bayreuth Tigers, sie ist auch gut gelaufen – viele Spieler haben Oberligaerfahrung gesammelt“, sagt Trew. Doch Bayreuths Finanzen wackelten gegen Saisonende, die Zukunft der Tigers war zeitweise unklar, darum hat sich der ERC nun mit Peiting verbunden.

Rund 100 Autominuten dauert die Fahrt von der heimischen Arena bis zum Eisstadion Peiting, die Einsätze stellen für die Talente eine Chance dar: Für sie ist der Sprung ins Oberliga-Team deutlich leichter als etwa in den DEL-Kader der Panther. Dazu kommt, dass sie in Peiting gefragt sind: Der Klub aus aus dem Landkreis Weilheim-Schongau gehört nicht zu den finanzstärksten der Oberliga Süd, ist ohnehin sehr jung aufgestellt. Das passt natürlich.

Die Ausbildung beim ERC hat also Fahrt aufgenommen. Seit der Jugendzeit von Daschner, der in der kommenden Saison bei den Straubing Tigers (DEL) aufläuft, hat sich im ERC-Stammverein einiges getan. Trews Vorgänger Petr Bares und sein Team mit Trainern wie Terry Campbell schafften Strukturen und Trainingskonzepte. „Sie haben viel Arbeit hineingesteckt und das Fundament gesetzt“, erzählt Trew. Die Jungpanther entwickelten sich prächtig und nahmen Schritte mit Siebenmeilenstiefeln: Aufstieg nach Aufstieg, noch in Bares' Amtszeit (bis 2021) kam der ERC in der höchsten Liga DNL an.

Franzosen Léandre Muchery verstärkt U20



Trew setzte die Arbeit mit eigenen Ideen fort und „wir haben vielleicht eine neue Stufe erreicht“. Er gibt als Nachwuchskoordinator das Konzept vor, der vor einem Jahr hinzugestoßene Cheftrainer Artur Grass setzt im DNL-Bereich die Linie um. Nach der erfolgreichen Saison zuletzt strebt Trew mit der U20, in diesem Jahr verstärkt um den 17-jährigen Franzosen Léandre Muchery, auch in diesem Jahr wieder die Play-offs an. Er sagt: „Ich will auch mal eine Meisterschaft gewinnen. Die Ziele sollen hoch sein.“

Das sportliche Abschneiden ist im Nachwuchsbereich allerdings nicht das primäre Ziel – die Spieler sollen sich bestmöglich entwickeln. Schon in den vergangenen Jahren hat Daschner in den ersten drei, vier Seniorenligen Gesellschaft von aussichtsreichen Talenten aus der Heimat bekommen. Hierzu zählen die gebürtigen Schanzer wie Robert Hechtl, Marlon Wolf, Marvin Feigl oder auch Niklas Hübner. Dazu kommen Spieler wie Christian Schneider, Samir Kharboutli, Nils Wegner oder die Schindler-Zwillingen, die von außerhalb zu den Panthern stießen und über den ERC-Nachwuchs den Schritt ins Profitum gemeistert haben.

Talente Burghard und Schilling nach Hamm



In diesem Sommer kommen weitere Neu-Profis aus der Ingolstädter Schmiede hinzu. Verteidiger Jonas Burghard zum Beispiel, der noch ein Jahr in der DNL hätte spielen können. Doch seine Klasse fiel den Hammer Eisbären auf, er wechselt bereits jetzt zum Oberligisten. Den selben Weg nimmt Stürmer Christian Schiling – ebenfalls 2005er Jahrgang – der bereits im Vorjahr für Kooperationspartner Bayreuth im Einsatz war. „Unser Kern für die neue Saison sind die 2006er“, erläutert Trew – also der mittlere DNL-Jahrgang. „Wir haben keinen großen Kader, aber Qualität.“ Geht es nach dem Nachwuchskoordinator, schnuppern die größten Talente aus dem U17-Bereich (Jahrgang 2008) zur neuen Saison bereits immer wieder in den U20-Bereich hinein.

Bei Kooperationspartner Peiting treffen die Talente auf einen alten Bekannten, der so etwas wie eine Vorbildrolle einnimmt: Ole Krüger, 19, wechselte fest nach Peiting. Auch er hat den Sprung über die Jungpanther in den Profi-Bereich geschafft.

DK