ERC-Frauen mit Transfer-Coup
„Ein Gewinn für uns und die gesamte DFEL“: Ingolstadt holt französische Kapitänin Lore Baudrit

05.07.2024 | Stand 05.07.2024, 15:22 Uhr |
Martin Wimösterer

Groß gewachsene Anführerin mit viel Erfahrung: Lore Baudrit, Kapitänin der französischen Nationalmannschaft, spielt in der kommenden Saison für die Frauen des ERC Ingolstadt. Foto: Imago Images

Es sind äußerst ereignisreiche Tage, die Lore Baudrit gerade erlebt. Vorige Woche packte sie in Leksand (Schweden) ihre Sachen in einen Umzugstransporter. Nach ein paar Tagen in der französischen Heimat brach sie dann am gestrigen Freitag in einen neuen Lebensabschnitt auf: Sie fuhr nach Ingolstadt, wo sie in der kommenden Spielzeit für den ERC in der Bundesliga DFEL aufs Eis gehen wird. Baudrit, Kapitänin der französischen Eishockey-Nationalmannschaft, ist ein Star-Zugang für den Panther-Sturm und die Deutsche Fraueneishockey-Liga.

„Ich habe richtig Lust drauf, in das neue Kapitel zu starten“, sagt Baudrit im Gespräch mit unserer Zeitung. „Ich mag, wenn es hart und herausfordernd ist. Ich werde mich darauf vorbereiten und bereit sein, die Aufgaben zu meistern.“ Der Lebenslauf der 32-Jährigen legt nahe, dass sie vor großen Schritten nicht zurückscheut: Sie spielte für die Université de Montréal in der kanadischen College-Liga, danach stürmte sie für die Montréal Canadiennes, das Frauen-Team des NHL-Klubs. Von 2018 bis ins Frühjahr 2024 ging sie für verschiedene Vereine in der besten europäischen Liga, der schwedischen SDHL, auf Torejagd. Wer sich dort so lange als Importspielerin hält, kann etwas. In Schweden erhalten die Spielerinnen anders als in der Bundesliga einen Lohn, der ihnen das Auskommen schon beinahe sichert. Dafür ist der Druck natürlich auch höher.

Sohlmann entdeckt Baudrit bei der WM



Bei den Panthern wird Baudrit in der kommenden Saison „eine wichtige Rolle einnehmen“, sagt ERC-Trainer Christian Sohlmann. Sie dürfte eine der Führungsspielerinnen werden. Sohlmann hatte sie, laut eigener Aussage ohne den konkreten Gedanken einer Verpflichtung, vor etwas mehr als zwei Monaten bei der Weltmeisterschaft der Division I in Klagenfurt beobachtet. „Danach habe ich kein Videomaterial mehr gebraucht“, sagt er. Sein Neuzugang sei „auf dem Eis präsent und geht als Anführerin voran. Sie kann, wenn nötig, auch mal eine Ansage machen“, erklärt der Coach.

Die Stürmerin hat kein Problem mit dieser Rolle. „Ich bin ziemlich groß“, sagt Baudrit mit einem Augenzwinkern. Sie misst 1,90 Meter – und dürfte damit eine der größten Spielerinnen der Bundesliga sein. „Ich gehe oft in den Forecheck, setzte meine Größe ein und spiele gerne physisch.“ In der DFEL geht es auf dem Eis weniger zur Sache als in der SDHL, wo das Checken erlaubt ist. Baudrit weiß aber schon Bescheid – sie kennt die andere, ruhigere Herangehensweise von der Nationalmannschaft.

Fünf Premieren warten auf Baudrit



„Baudrit ist ein Gewinn für uns und ein Gewinn für die DFEL“, meint Sohlmann. „Es ist ein gutes Zeichen, dass sich so eine renommierte Spielerin entschlossen hat, in die DFEL zu kommen und Lust darauf hat, mit uns den Neuaufbau anzugehen.“ Die Panther, amtierender Vizemeister und DEB-Pokalsieger, stellen ihren Kader neu auf (siehe Kasten). Ehe es für Baudrit bei den Panthern im Herbst im Ligabetrieb zur Sache geht, stehen für sie in ihrer Eingewöhnungszeit einige Neuheiten an.

Erste Premiere: Die neue Wohnung. An diesem Samstag kommt der Umzugstransporter aus Schweden an. „Hätte ich meine neuen Mitspielerinnen gefragt, ich bin mir sicher, sie hätten mit angepackt“, glaubt Baudrit. „Aber meine Familie kommt und hilft uns beim Einräumen.“

Zweite Premiere: Ingolstadt erkunden. Baudrit hat sich informiert über die Schanz und „Deutschland hat mich immer schon interessiert.“ Dann sagt sie einen Satz, den man von Bürgern der Grande Nation eher selten hört: „Ich mag die deutsche Küche.“

Dritte Premiere: Mitspielerinnen, Trainer und Staff kennenlernen. Der erste Kontakt, sagt Baudrit, sei „sehr angenehm gewesen. Ich habe mich in den Gesprächen mit Christian Sohlmann gut aufgehoben gefühlt.“ Viele Ligakonkurrentinnen kennt sie aus Länderspielen.
Vierte Premiere: Der neue Job. Baudrit hat ihren Master in Marketing abgeschlossen und bereits in den Journalismus hinein geschnuppert. In Ingolstadt hat sie, nicht zuletzt weil sie fließend französisch und englisch spricht, bereits eine Stelle gefunden.
Fünfte Premiere: Nachwuchs. Im September erwartet Baudrits Partnerin das erste Kind. Auch da bietet Ingolstadt gegenüber Schweden einen Vorteil: „Es ist für unsere Freunde und Familie leichter, uns besuchen zu kommen.“

Sechste Premiere: Die Trikotnummer. Im Ligabetrieb ist sie noch nie mit der 19 auf dem Trikot aufgelaufen – bis jetzt. „Nur in der Nationalmannschaft hatte ich die Nummer schon“, sagt Baudrit. Da immerhin schon 220-mal.

DK



Kaderplanung noch nicht abgeschlossen

Der Umbruch im Kader der Eishockey-Frauen des ERC Ingolstadt fällt in diesem Sommer mit zwölf Abgängen etwas größer aus. „Man muss das etwas relativieren“, erklärt Trainer und Kaderplaner Christian Sohlmann (Foto): „Einige Abgänge standen bereits zu Beginn der vorigen Saison fest – zum Beispiel, dass Emily Nix nur für eine Saison bleibt. Und Karriereenden oder Veränderungen aus privaten Gründen gibt es immer. Ich denke, wir haben ganz gut reagiert.“

Der ERC hat bereits rund ein Dutzend Spielerinnen für die neue Saison bestätigt: Die Routiniers Theresa Wagner, Elisa Matschke (beide Sturm), Sorsha Sabus, Ann-Kathrin Voog und Jule Klement (alle Verteidigung) bleiben, genauso wie die Talente Melina Wolf (Tor), Lilian Bogdanski (Allround) und Amelie Rosenstock (Sturm).

Fünf Zugänge gibt es: die Angreiferinnen Lore Baudrit, Katharina Häckelsmiller und Kim Bürge (alle Sturm) sowie die Verteidigerinnen Anna-Lena Niewollik und Lara Georgi. Sohlmann kündigt weitere Spielerinnen an: „Wir werden jünger und bei den Talenten breiter aufgestellt sein als bisher. Zu viele Häuptlinge zu haben ist auch nicht gut, die Mischung muss passen damit das Team funktioniert.“

Seine erste Prognose zur neuen Saison: „Wir werden durch die Hauptrunde nicht so durchmarschieren wie zuletzt. Aber ich denke schon, dass wir eine lange Saison spielen können.“

wim, Foto: img