Wieder gegen die Schweiz?
Fabio Wagner vom ERC Ingolstadt hat keinen Wunschgegner für das WM-Viertelfinale

20.05.2024 | Stand 20.05.2024, 18:34 Uhr

905 NHL-Spiele gegen 505 DEL-Partien: Der Slowake Tomas Tatar bei der WM im Zweikampf mit Fabio Wagner vom ERC Ingolstadt. Dahinter Goalie Philipp Grubauer, Tatars Teamkollege bei den Seattle Kraken. Deutschland gewann 6:4. Foto: Rimmelspacher

Nach dem 4:2-Sieg gegen Polen am Samstag und den Ergebnissen der Konkurrenz ist schon vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Frankreich an diesem Dienstag (12.20 Uhr/Pro7 und Magenta Sport) klar: Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat das Viertelfinale der WM erreicht.

Montagnachmittag besichtigten Verteidiger Fabio Wagner vom ERC Ingolstadt und seine Teamkollegen das alte Stahlwerk am Spielort Ostrau, heute ein Industriemuseum mit Café. Zuvor fand der Panther-Kapitän noch Zeit für ein Gespräch mit unserer Zeitung. Der 28-Jährige sprach über ein Ritual mit Hundemaske, schwedische NHL-Stars und warum er keine Pause will.

Herr Wagner, bei der WM 2023 in Tampere wurde das gemeinsame Bad im eiskalten See am Teamhotel zum Ritual, das die Mannschaft bis ins Finale getragen hat. Haben Sie dieses Mal etwas Ähnliches gefunden?

Fabio Wagner: Nicht das gleiche, aber wir haben schon wieder ein Mannschaftsritual. Nach jedem Spiel bekommt der beste Spieler eine Hundemaske aufgesetzt.

Wer hat sich das einfallen lassen?

Wagner: Puh, das weiß ich gar nicht. Derjenige muss die Maske kurz in der Kabine tragen und eine kleine Ansprache halten.

Und dann bellen alle?

Wagner: (lacht) So in etwa.

DEB mit Wagner immer im WM-Viertelfinale

Ein anderes „Ritual“: Wenn Sie bei der WM dabei sind, erreicht Deutschland immer mindestens das Viertelfinale – zum vierten Mal seit 2021. Wie haben Sie das bisherige Turnier erlebt?

Wagner: Wir hatten einen guten Start gegen die Slowaken. Dann haben wir gegen die USA und die Schweden einen kleinen Dämpfer bekommen, doch danach wieder souverän gespielt und über 60 Minuten konstante Leistungen gebracht.

Nach den beiden Duellen gegen die Top-Teams USA und Schweden sprach Kapitän Moritz Müller von einem „Rucksack vom letzten Jahr“, den die deutsche Mannschaft mit sich herumtrage. Den legte das Team dann aber ab und spielte befreiter auf, es folgten Siege gegen Lettland, Kasachstan und Polen. Haben Sie das ähnlich empfunden?

Wagner: Ja. Gegen die USA und Schweden hat uns ein bisschen die defensive Stabilität gefehlt. Wir haben nach diesen Spielen noch ein paar Details geklärt, was die Verteidigung betrifft, und das hat uns auf alle Fälle gestärkt. Das offensive Talent haben wir eigentlich in jeder Partie gezeigt. Man muss aber auch sagen, dass die USA und Schweden zwei Weltklasse-Mannschaften mit vielen NHL-Stars sind. Es ist ein Erlebnis, gegen Jungs wie Victor Hedman und Erik Karlsson zu spielen.

Sie mussten gegen die USA verletzt aussetzen. Sind Sie inzwischen wieder komplett fit?

Wagner: Das war nichts Dramatisches. Ein Einsatz hat leider nicht geklappt, weil das Spiel direkt am Tag nach dem Duell mit der Slowakei war. Die Physios haben einen guten Job gemacht.

Noch kein Treffen mit Teamkollege Bertrand

Nun geht es zum Gruppenabschluss gegen die Franzosen mit Ihrem Ingolstädter Teamkollegen Charles Bertrand, der am Montag bei der knappen 1:3-Niederlage gegen Schweden getroffen hat. Sind Sie sich während des Turniers schon über den Weg gelaufen?

Wagner: (lacht) Bis jetzt noch nicht, obwohl wir im selben Hotel sind. Auch im Stadion nicht, was relativ komisch ist. Aber wir sehen uns spätestens am Dienstag auf dem Eis.

Gegen Frankreich wird es vermutlich darum gehen, trotz des sicheren Viertelfinales im Rhythmus zu bleiben und die Gruppe bestmöglich abzuschließen.

Wagner: Genau. Wir wollen die Gruppe gut abschließen und eine ordentliche Leistung abliefern.

Haben Sie und die Mannschaft einen Wunschgegner für das Viertelfinale? 2021 und 2023 traf die DEB-Auswahl jeweils auf die Schweiz, und beide Male setzte sie sich gegen die hochgehandelten Eidgenossen durch. Sind aller guten Dinge drei?

Wagner: So weit denken wir jetzt noch nicht. Egal auf wen wir treffen: Das sind alles sehr, sehr starke Mannschaften. Da gibt es keinen Lieblingsgegner. Es ist ein neues Jahr, vergangene Erfolge zählen nicht mehr. Wir sollten mehr auf uns schauen.

Wagners bislang stimmungsvollste WM

Erleben Sie in Ostrau durch die vielen polnischen und slowakischen Fans Ihre bislang stimmungsvollste WM? Ihr Debüt war 2021 in Riga unter Corona-Bedingungen ohne Fans, danach hieß der Gastgeber zweimal Finnland.

Wagner: Helsinki vor zwei Jahren war auch stimmungsvoll, aber hier in Ostrau ist noch mal ein bisschen mehr los. In jedem Spiel herrschte gute Stimmung, und gerade bei unseren Duellen gegen Polen und die Slowakei kamen viele Fans über die Grenze und sorgten für eine tolle Atmosphäre. Aber auch die deutschen Fans, die hier sind, unterstützen uns hervorragend.

Seit Beginn der Corona-Saison 2020/21 haben Sie kein Spiel in der Deutschen Eishockey-Liga verpasst, dazu kamen Vorbereitungspartien, Champions League, Länderspiele, jedes Jahr eine WM und einmal Olympische Spiele – insgesamt mehr als 300 Spiele, also 75 bis 80 pro Jahr. Wünschen Sie sich oder brauchen Sie nicht mal eine Pause?

Wagner: Nein. Solange ich spielen kann und mich fit fühle, spiele ich. Dafür tue ich viel, auch abseits des Eises, dass ich fit und gesund bleibe. Und natürlich gehört auch viel Glück dazu, was ich bisher hatte. Nach der WM freue ich mich aber schon auf eine Pause.