„Wir haben gekämpft und alles gegeben“
ERC-Neuzugang Sam Ruopp über den Abstieg der Briten bei der WM, seine Spielweise und Erwartungen an die DEL

22.05.2024 | Stand 22.05.2024, 9:00 Uhr
Udo Rimmelspacher

Schwerstarbeit vor 17 413 Zuschauern in Prag gegen den WM-Gastgeber: Der britische Verteidiger Sam Ruopp (links) chippt den Puck vor dem tschechischen Angreifer Daniel Vozenilek aus der Gefahrenzone. Foto: Rimmelspacher

Für Aufsteiger Großbritannien war das Top-Niveau bei der Eishockey-Weltmeisterschaft eine Nummer zu groß. Die Briten verpassten den Klassenverbleib, Verteidiger Sam Ruopp, der zur neuen Saison der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) von DEL2-Team Lausitzer Füchse zum ERC Ingolstadt wechselt, nimmt dennoch wertvolle Erfahrungen aus Tschechien mit.

Herr Ruopp, Sie sind bei der WM mit Großbritannien als Aufsteiger direkt wieder abgestiegen. Woran lag es?
Sam Ruopp: Wir haben gekämpft und alles gegeben, aber am Ende hat es halt nicht gereicht. Natürlich waren die Niederlagen teilweise eine ernüchternde Erfahrung. Aber der Abstand ist nicht so groß, und wenigstens das letzte Spiel haben wir gewonnen. Wir haben uns stets an die Taktik gehalten und versucht, uns kontinuierlich zu verbessern. Deshalb bin ich auch stolz auf unser Team.

Die Ergebnisse waren ja nicht immer so klar. So haben Sie beispielsweise gegen den Favoriten Kanada nur 2:4 verloren.
Ruopp: So ein Team, das nur aus NHL-Spielern besteht, ist natürlich enorm stark. Für mich persönlich war es teilweise schon ernüchternd zu sehen, wie talentiert, gut und schnell diese Spieler sind und wie sie selbst unter Druck kaum Fehler machen. Außerdem sind sie extrem fit. Gleichzeitig hat es mir Vertrauen gegeben zu sehen, dass ich mit ihnen spielen kann.

Sie haben bislang den Sprung in die NHL nicht geschafft, wurden aber im Jahr 2015 in der fünften Runde von den Columbus Blue Jackets gedraftet. Was war das für ein Gefühl?
Ruopp: Es war ein ganz spezieller Tag. Mein älterer Bruder wurde vier Jahre vorher gedraftet, ihm wollte ich unbedingt nacheifern. Daher war es eine sehr schöne Erfahrung, es ihm gleichzutun. Zudem hat es mir später Türen geöffnet, mein Spiel weiterzuentwickeln.

Nach Ihrer Zeit in der Jugendliga haben Sie drei Jahre an der Universität gespielt.
Ruopp: Ich hätte im Hinblick auf Eishockey auch andere Möglichkeiten gehabt, habe mich aber letztlich entschlossen, ein Stipendium an der Universität Saskatchewan anzunehmen und dort einen Bachelor in BWL mit Schwerpunkt Landwirtschaft zu machen.

Warum sind Sie ein Jahr später nach Europa gegangen?
Ruopp: Ich wollte noch meinen Master machen. Die Belfast Giants aus der EIHL hatten sich um mich bemüht, und die dortige Universität bot passenderweise ein Master-Programm an. Zudem passte es prima zusammen mit den Zielen meiner Verlobten, die an der Universität in Belfast Jura studieren konnte. So habe ich dort meinen Master in allgemeiner BWL gemacht. Nun kann ich mich also ganz auf Eishockey konzentrieren und versuchen, ein besserer Spieler zu werden (lacht).

Wie wird Eishockey in Belfast neben Fußball, Rugby und anderen Sportarten wahrgenommen?
Ruopp: Die Giants sind das einzige Profiteam in Nordirland. Die Fans sind, genauso wie in Deutschland, sehr leidenschaftlich. Meist hatten wir um die 8000 Zuschauer bei unseren Heimspielen. Aber natürlich kommt Eishockey eine untergeordnete Rolle zu.

Hier bei der WM haben Sie sogar vor mehr als 17000 Zuschauern gespielt. Haben Sie so etwas schon einmal erlebt?
Ruopp: Nein, das ist eine ganz neue und spektakuläre Erfahrung, die ich und meine Familie niemals vergessen werden. Zudem durfte ich jedes Mal, wenn ich das Nationaltrikot übergezogen habe, mein Heimatland und das Herkunftsland meiner Mutter repräsentieren.

Weshalb spielen Sie für Großbritannien, obwohl Sie in Kanada geboren wurden?

Ruopp: Meine Mutter ist in Großbritannien aufgewachsen, bevor sie nach Kanada kam. Die Familie meines Vaters stammt aus Deutschland, sodass ich sogar drei Staatsbürgerschaften besitze.

Sie wechseln zur kommenden Saison zum ERC Ingolstadt. Was für ein Spielertyp sind Sie?
Ruopp: Ich denke, dass ich als Verteidiger ein Allrounder bin und in jeder Situation spielen kann. Außerdem bin ich gerne bereit, jede Rolle im Team einzunehmen, die der Trainer von mir erwartet. Zudem spiele ich hart und leidenschaftlich.

Welche Erwartungen haben Sie für die neue Saison in der DEL?
Ruopp: Diese Möglichkeit ist für mich der perfekte nächste Schritt, um mich weiterzuentwickeln. Ich bin schon ganz gespannt auf die Herausforderung!