Ex-Panther-Torwart
Ein Jahr spielte Nico Daws beim ERC Ingolstadt – nun WM-Debüt für Kanada: „Lebe meinen Traum“

17.05.2024 | Stand 18.05.2024, 19:54 Uhr
Udo Rimmelspacher

Beim 4:1 der Kanadier gegen Norwegen am Donnerstag feierte Ex-Panther Nico Daws sein WM-Debüt – und bekam nur sechs Schüsse auf sein Tor. Foto: Rimmelspacher

Ein Jahr spielte Nico Daws beim ERC Ingolstadt – nun gibt er sein WM-Debüt für Kanada und schwärmt: „Ich lebe meinen Traum“. Was Daws über seine Zeit in Ingolstadt denkt und was seine persönlichen Ziele für die kommende Spielzeit sind, verrät er im Interview.



Herr Daws, was hätten Sie vor drei Jahren in Ihrer Zeit beim ERC Ingolstadt geantwortet, wenn man Ihnen gesagt hätte, dass Sie bei der WM 2024 mit Superstars wie John Tavares für Kanada spielen werden?

Nico Daws: Ich hätte es nicht geglaubt. Es waren verrückte drei Jahre und ich bin glücklich, hier zu sein. Ich lebe gerade meinen Traum.

Woran erinnern Sie sich, wenn Sie an den den ERC denken?
Daws: Alle waren zu nett zu mir und haben mich gut behandelt, sowohl die deutschen als auch die ausländischen Spieler. Ich war ja einer der Jüngsten und wusste es deshalb besonders zu schätzen.

Was halten Sie von der Deutschen Eishockey-Liga, auch wenn Sie diese nur unter sehr speziellen Rahmenbedingungen während Corona kennengelernt haben?
Daws: Es ist eine sehr gute Liga mit vielen talentierten Spielern. Auch die ausländischen Spieler sind wirklich gut. Es ist definitiv nicht einfach zu gewinnen. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Ich habe die Zeit sehr genossen.

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Was haben Sie noch von der Stadt Ingolstadt in Erinnerung?
Daws: Leider war das Leben durch Corona damals sehr eingeschränkt. Ich vermisse aber die Bäckerei Sipl. (lacht)

Tschechien war ja bereits ein gutes Pflaster für Sie. Sie sind hier im Jahr 2020 mit der kanadischen U20-Mannschaft Weltmeister geworden. Ein gutes Omen, um diesen Erfolg zu wiederholen?
Daws: Ja genau! Von der damaligen U20-Mannschaft sind ja jetzt auch einige Jungs dabei.

Vermissen Sie bei Ihren Liga-Spielen in Nordamerika manchmal die Stimmung der Fans aus europäischen Stadien?
Daws: Ja, die Fans sind sehr unterschiedlich. Hier feuern sie teilweise das gesamte Spiel an, das ist toll. Das ist etwas, was ich in meiner Zeit beim ERC wegen Corona vermisst habe, nachdem ich zuvor ja schon so viel Gutes darüber und über die ERC-Fans gehört hatte.

Zurück zur Gegenwart: Wie passiert so etwas wie im letzten Drittel gegen Österreich, in dem Ihr Team einen Vorsprung von fünf Toren verspielt hat?
Daws: Die Leute schauen auf Kanada und erwarten, dass wir jedes Spiel gewinnen. Aber die anderen Teams hier sind sehr gut und es ist niemals einfach. Wir können daher nichts als selbstverständlich nehmen.

Welches Team gilt es zu schlagen, um Weltmeister zu werden?
Daws: Es wird sehr schwer, die Tschechen zu besiegen. Aber auch die USA sind sehr gut und natürlich Schweden.

Was sind Ihre persönlichen Ziele für die kommende Spielzeit?
Daws: Ich versuche weiter, mich in der NHL zu etablieren, nachdem ich ja bislang sowohl in der AHL als auch in der NHL spiele.

Macht es einen Spieler härter, wenn er zwischen der unterklassigen AHL und NHL hin und her wechseln muss?
Daws: Es hängt vom Charakter des Spielers ab. Es ist natürlich nie schön, wenn man wieder runter in die AHL muss. Dort hofft man, dass man wieder nach oben gezogen wird. Man versucht einfach, täglich sein Bestes zu geben. Insgesamt würde ich es aber als positiv bewerten.

Wie empfinden Sie den Unterschied zwischen NHL und AHL hinsichtlich der Rahmenbedingungen, etwa der medialen Aufmerksamkeit und dem Reisen in teameigenen Flugzeugen statt stundenlanger Busfahrten?
Daws: Es ist ein riesiger Unterschied. NHL-Spieler werden wie Superstars behandelt. In der AHL sind die Budgets weitaus begrenzter. Aber genau dieser Unterschied ist ein Teil der Motivation, es in die NHL zu schaffen und sich dort zu etablieren.

Ist der Umgang der Spieler untereinander in einem NHL-Team, beispielsweise aufgrund des größeren absoluten Gehaltsgefälles und des medialen Rummels um einzelne Spieler, stärker hierarchisch geprägt als in der DEL?
Daws: Letztlich sind wir eine große Gruppe von Brüdern. Im Umgang untereinander macht es gar nicht so viel aus, ob man nur das Minimumgehalt oder viele Millionen pro Jahr verdient. Wenn wir miteinander sprechen, ist das jeweilige Gehalt eigentlich nie ein Thema.

Was unternehmen Sie in der Sommerpause, um sich auf eine neue Saison vorzubereiten?
Daws: Ich muss kräftiger und schneller werden. Auch muss ich auf meinen Körper achten, besonders auf meine Hüfte, an der ich schon verletzt war.

Zu Beginn des Gesprächs haben wir drei Jahre zurückgeblickt. Was machen Sie als Sportler und Mensch in drei Jahren?
Daws: Als Sportler möchte ich mich in der NHL etabliert haben und sagen können, dass ich aus meinen Fähigkeiten das Beste gemacht habe. Privat ist es schwer, drei Jahre in die Zukunft zu schauen. Aber vielleicht gründe ich später einmal mit meiner Freundin eine Familie. Aber wohl noch nicht in den nächsten drei Jahren.

Das Gespräch führte
Udo Rimmelspacher.


ZUR PERSON

Der Kanadier Nico Daws wurde im Dezember 2000 in München geboren. Als Torhüter gewann er 2020 die Junioren-WM, in seiner ersten Profisaison 2020/21 trug der 1,93-Meter-Mann zehnmal das Trikot des ERC Ingolstadt. Danach wechselte Daws in die Organisation der New Jersey Devils, für die er bislang 46-mal in der NHL zwischen den Pfosten stand.