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31.05.2019 | 18:09 Uhr

"So weit sind wir noch nicht": Was dem deutschen Eishockey zur Weltspitze fehlt – DEB-Sportdirektor im Interview

von Alexander Augustin

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Der Jubel überwog bei der Eishockey-WM in der Slowakei. Nicht nur der deutschen Mannschaft, auch Bundestrainer Toni Söderholm (M.) stellt Sportdirektor Stefan Schaidnagel ein gutes Zeugnis aus. −Foto: Peter Schatz/imago images

Der Jubel überwog bei der Eishockey-WM in der Slowakei. Nicht nur der deutschen Mannschaft, auch Bundestrainer Toni Söderholm (M.) stellt Sportdirektor Stefan Schaidnagel ein gutes Zeugnis aus. −Foto: Peter Schatz/imago images

Der Jubel überwog bei der Eishockey-WM in der Slowakei. Nicht nur der deutschen Mannschaft, auch Bundestrainer Toni Söderholm (M.) stellt Sportdirektor Stefan Schaidnagel ein gutes Zeugnis aus. −Foto: Peter Schatz/imago images


Die Eishockey-Nationalmannschaft hat bei der WM Platz 6 belegt. Das Team von Bundestrainer Toni Söderholm hat dabei die beste Vorrunde der Verbandshistorie gespielt und sich auch für Olympia 2020 qualifiziert. DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel zieht im Interview Bilanz und erklärt, wieso er das deutsche Eishockey noch nicht im Konzert der Großen angekommen sieht.

Herr Schaidnagel, wie fällt Ihre WM-Bilanz aus?

Stefan Schaidnagel: Durchwegs positiv. Fünf Siege aus sieben Spielen, Viertelfinale, 6. Platz in der Endabrechnung, die direkte Olympiaqualifikation und 7. Platz in der Weltrangliste – ich denke, das kann man schon als positives Ergebnis ansehen.

DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel. −Foto: dpa

DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel. −Foto: dpa

DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel. −Foto: dpa


Bis auf die Ausnahme der 1:8-Niederlage gegen Kanada war die Mannschaft immer auf Augenhöhe – auch gegen Gegner wie die USA. Ist das deutsche Eishockey angekommen im Konzert der Großen?

Schaidnagel: So weit sind wir noch nicht. Wir haben einen Schritt der Etablierung gemacht. Aber dahinter steht ein Prozess. Ja, man kann mit den Großen mithalten. Aber das dauert noch, bis man von einer Nachhaltigkeit sprechen kann. Wir müssen vier, fünf Turniere hintereinander so ein Ergebnis erzielen, dann kann man von ,angekommen‘ sprechen.

Was fehlt denn noch zur absoluten Weltspitze?

Schaidnagel: Ich denke, der Blick ist einfach falsch. Vor vier Jahren haben wir schauen müssen, dass wir nicht in die Abstiegsregion kommen. Jetzt zu überlegen, was noch zur Weltspitze fehlt, wäre nicht der richtige Blick auf die Sache. Wir sind aufstrebend unterwegs, haben einen breiteren Kader, jüngere und international konkurrenzfähige Spieler. Aber Erfolg definiert sich über Nachhaltigkeit. Zur Weltspitze fehlt auf dem Eis zum Beispiel, dass man in speziellen Situationen abgeklärter ist.

Unter Toni Söderholm spielt die Mannschaft attraktives, forsches Eishockey. Und auch abseits des Eises ist ein neues Selbstvertrauen zu spüren. Verteidiger Korbinian Holzer etwa sagte, man habe den Anspruch, die Großen zu schlagen. Sind die Zeiten des Understatements vorbei?

Schaidnagel: Selbstvertrauen holst du dir natürlich über Ergebnisse. Und die haben sich in den letzten drei, vier Jahren halt so eingestellt, dass man sagen konnte: Da entwickelt sich was. Garniert mit einem Umbruch durch junge Spieler, die besser ausgebildet oben ankommen. Das ist ein Mix aus verschiedenen Bausteinen, die ein neues Selbstvertrauen aufleben lassen. Mit Sicherheit hat die Silbermedaille bei Olympia dazu beigetragen. Das kommt ja auch nicht von ungefähr. Aber mir ist wichtig: Wir wollen kein überhebliches Selbstbewusstsein aufkommen lassen.

Seit Anfang des Jahres ist Toni Söderholm Bundestrainer. Er kam als Trainer-Nobody. Welches Zeugnis stellen Sie ihm nach einem halben Jahr und seiner ersten WM aus?

Schaidnagel: Wir wussten, dass Toni fachlich schon sehr weit ist – dass er sehr strukturiert und detailversessen arbeitet. Genau das brauchst du im Leistungssport, in dem es um die Kleinigkeiten geht. Er ist aber auch ein Trainer, der mit den Spielern auf Augenhöhe ist und sie abholt. Er hat seine erste WM sehr gut gemeistert und wird sich aber natürlich noch weiterentwickeln, wie er das auch über die WM schon getan hat. Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit Toni Söderholm und haben, denke ich, die richtige Entscheidung getroffen.

Söderholm und Sturm? "Überragende Menschen"

Was unterscheidet Toni Söderholm vom in die NHL gewechselten Erfolgstrainer Marco Sturm?

Schaidnagel: Der Vergleich ist schwierig. Marco ist damals aus einer ähnlichen Situation Trainer geworden. Marco ist eher der Bauchmensch und Toni eher der Kopfmensch. Das ist einer der großen Unterschiede. Vom Eishockey-Verständnis denken sie ähnlich. Toni lässt puckbesitz-orientiertes Eishockey spielen mit schnellen Vorstößen. Beides sind überragende Menschen, das stand auch im Anforderungsprofil. Da steht der Toni dem Marco in nichts nach.

In den letzten Jahren kommen viele junge Spieler nach. Vor ein paar Jahren haben vor allem die größeren DEL-Klubs lieber erfahrene Spieler verpflichtet, als eigene Talente hochzuziehen. Was hat sich da verändert?

Schaidnagel: Es gibt natürlich viele Wege, nach oben zu kommen. In der Nachwuchsausbildung laufen schon einige Komponenten besser. Dadurch kommen die Talente oben ganz anders ausgebildet an. Aber klar, die Bedingung ist natürlich, dass die Jungen oben eingesetzt werden. Das ist auch besser geworden. Grundsätzlich haben wir das Nationalmannschafts-System professionalisiert – der Staff, die Trainingssteuerung. Es gibt einen Jahres-Maßnahmenplan. Für die Zukunft gilt es, den Einsatz der jungen Spieler in den Senioren-Ligen geregelter hinzubekommen. Dann haben wir einiges richtig gemacht.

Welche Rolle spielen denn kleinere DEL-Standorte wie Straubing für die Eingliederung von Talenten ins Senioren-Eishockey?

Schaidnagel: Ich ziehe da keine Grenze zwischen kleinen und großen Standorten. Es muss ein Grundverständnis aller her. Ob das Straubing, Mannheim und Iserlohn oder Kaufbeuren, Bad Tölz oder Lindau ist, spielt keine Rolle. Ich klassifiziere nicht nach Ligen. Es geht um ein gemeinsames Verständnis aller.

"Mediale Aufmerksamkeit ist extrem gestiegen"

Nach Olympia 2018 und jetzt der WM ist eine Eishockey-Begeisterung im Land zu spüren. Wie lässt sich diese denn aufrecht erhalten oder weiter steigern?

Schaidnagel: Es geht vor allem darum, die Kinder zum Eishockey zu bringen. Dafür müssen wir Programme, die bereits laufen, noch intensivieren. Die mediale Aufmerksamkeit ist massiv gestiegen und muss weiter bedient werden. Da geht es auch darum, die jungen deutschen Talente in der Liga einzusetzen. Dann identifiziert sich der Zuschauer. Und am Ende dieser Identifikation kann ein Hype stehen.

Nationalspieler Moritz Müller hat im Januar die Öffentlich-Rechtlichen kritisiert und ihnen vorgeworfen, Eishockey zu ignorieren. Stimmen Sie ihm da zu?

Schaidnagel: Grundsätzlich ist es der Job der Öffentlich-Rechtlichen, die Breite des gesamten Sports abzubilden. Richtig ist, dass in der Vergangenheit der Fokus teils zu sehr auf anderen Sportarten lag. Aber man muss es nun auch positiv sehen: In den zwei Wochen in Kosice hatten wir durchgehend ARD und ZDF da. Das ist genau das, was Moritz Müller verlangt hat. Das hilft uns natürlich, Druck auszuüben, dass man uns weiter zeigt. Das können wir aber nur machen, wenn wir die Sportart gut präsentieren und auch selbst Erfolg haben. Dann kommen die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr drum herum, die Sportart zu präsentieren.

Welche Rolle kann da Leon Draisaitl als neuer Leuchtturm des deutschen Eishockeys spielen?

Schaidnagel: Diese Jungs spielen insgesamt eine große Rolle für den Sport. Mit diesen Idolen bringst du Kinder zum Sport. Die Superstars haben eine identitätsstiftende Funktion. Ob das ein Dirk Nowitzki oder ein Leon Draisaitl ist – das sind ganz wichtige Persönlichkeiten, an denen sich sporttreibende Gesellschaften hochziehen. Das ist nicht hoch genug einzuschätzen.












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