Bad Reichenhall

Ein Afrikaner im Herzen: Klaus Heigl besucht "Good Hope FC Soccer Academy" in Mombasa

20.05.2020 | Stand 20.05.2020, 14:59 Uhr
Hans-Joachim Bittner

In Chelsea- und Barcelona-Trikots freuten sich die U13-"Good Hope"-Jungs aus Mombasa über den außergewöhnlichen Besuch aus Deutschland und das Mannschaftsfoto des BGL-Teams. −Foto: privat

Von Wien über das ostafrikanische Drehkreuz Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens auf bis zu 3000 Metern Seehöhe, erreichte Klaus Heigl in der Adventszeit – also noch deutlich vor dem Corona-Einbruch in Europa – Kenia. Das Ziel seiner insgesamt dreiwöchigen Reise: Mombasa. Rund 1,2 Millionen Einwohner leben hier am Indischen Ozean offiziell. Der Reichenhaller wollte neben Sonne, Strand und Safari ein ganz besonderes Projekt kennenlernen – und freundschaftliche Bande knüpfen: Zwischen seinem Fußballverein BGL International Freilassing, dem Integrationsteam aus der Grenzstadt, in dem Spieler aus 15 Nationen kicken, und der in der kenianischen Metropole ansässigen "Good Hope Soccer Academy".

Nach einigen Internet-Recherchen stieß BGL-Coach Thomas Mooser auf den Verein in Mombasa. Als Team-Betreuer Klaus Heigl das Mannschaftsfoto der U13 sah, hatte er die Kinder sofort ins Herz geschlossen. Noch von zu Hause aus stellte er einen ersten Kontakt via Telefon her. Mit Hussein Shem, der die Akademie mit viel Herzblut, Sachverstand und Engagement leitet, vereinbarte Heigl einen ersten Termin am 24. Dezember. Dieser Tag hat im muslimisch geprägten Stadtteil Kisauni nicht jene Bedeutung wie in christlich geprägten Kulturen, Weihnachten wird dort nicht gefeiert.

Das erste Treffen in Mombasa war für den Reichenhaller "kryptisch", wie er sagt. "Ein wenig seltsam, befremdlich." Obwohl sich Hussein Shem augenscheinlich fragte, was er mit dem Geschenk des Deutschen, einem Trikot des BGL International-Teams sollte, nahm er es im Rahmen eines Pokalspiel-Halbfinales seiner U20 freundlich entgegen. Es war deutlich spürbar: "Hier kommen nicht oft Touristen vorbei", sagt Klaus Heigl. "Erst recht keine, die sich für den Fußball der Einheimischen interessieren." Der 61-Jährige, der in Piding aufwuchs, war der Exot am Spielfeldrand: "Das wurde mir rasch klar."

Heigl war vom Einsatz, der Spielfreude und der Athletik der Spieler total begeistert: "Fallrückzieher an der Seitenlinie, um den Ball noch zu retten, sind dort ganz normale Aktionen." Wann sieht man so etwas in Europa, fragte sich Heigl erstaunt. "Das Spielfeld würde bei uns allerdings niemand als ein solches ausmachen." Gräben und zur Hälfte im Boden eingelassene Lkw-Reifen, die zudem als Sitzgelegenheiten genutzt werden, bilden nur zum Teil die eher spärlichen Spielfeldbegrenzungen. Gekickt wird auf staubigen Lehm- und Sandböden, Steine liegen rum, unkontrolliert wuchernde Grasbüschel sorgen für Unebenheiten, die filigranes Passspiel unmöglich machen. "Keine Chance, hier von hinten rauszuspielen. Sie müssen versuchen, den Ball meist hoch und direkt an den nächsten Mann zu bringen", sagt der Fußballkenner aus der Kurstadt.
Mehr zu diesem Thema lesen Sie in der PNP-Printausgabe vom Mittwoch, 20. Mai 2020, im Reichenhaller Tagblatt und Freilassinger Anzeiger.