19.08.2011

Neunteufels Heimdebüt beim FC Wels endet mit seiner Auswechslung - heimatsport.de hat das Video


Der zu Beginn der Saison vom SV Schalding-Heining als Bayernliga-Toptorjäger zum oberösterreichischen Regionalligisten FC Wels gewechselte Benjamin Neunteufel ist in Oberösterreich noch nicht ganz angekommen


Von Philipp Roos und Andreas Lakota

Die Geschichte nimmt kein gutes Ende. Aber vielleicht wäre es auch zu kitschig gewesen. Die Sonne ist gerade untergegangen, der Himmel hat sich in ein leuchtendes Lila verfärbt, das Thermometer zeigt 20 Grad und der österreichische Regionalligist FC Wels ist gerade dabei, ein längst verloren geglaubtes Spiel zu drehen. Jetzt noch ein Tor von Benni Neunteufel (28) - und das Heimdebüt des Ex-Schaldingers wäre reif gewesen für ein Drehbuch. Doch als Spielmacher Milan Koprivarov, der vor seinen schweren Verletzungen bereits für Sofia in der Champions League spielte, einen Zauberfreistoß zum 2:2 in die Maschen zirkelt und die Fans auf der Tribüne ohrenbetäubend Lärm verursachen, weil sie mit aller Kraft gegen die Blechbanden trommeln, sitzt Neunteufel betrübt auf der Ersatzbank. Sein "Leiberl" hat er ausgezogen. Ausgewechselt nach 73 Minuten. Aus taktischen Gründen, wie sein Coach Reinhard Burits später sagen wird.

Wels, ein Freitag im August: Inmitten von Plattenbauten breitet sich das "ASKÖ-Stadion" aus, eine Sportanlage mit morbidem Charme. Das Flutlicht ist eingeschaltet, der Rasen: ein Teppich. Nach und nach füllt sich die Zuschauertribüne, am Ende werden das Derby gegen St. Florian rund 500 Menschen verfolgen. Auch Freunde von Neunteufel, darunter sein Ex-Trainer Thomas Prebeck, sind heute Abend in die 60 000-Einwohner-Stadt gepilgert. 100 Kilometer Anreise oder mehr haben sie in Kauf genommen. Sie wollen Neunteufel treffen sehen.

Der Spielerberater des 28-Jährigen, Kurt Eibl, der den Transfer eingefädelt hatte, ist ebenfalls vor Ort. Auch er blickt verdutzt, als der Stadionsprecher die Aufstellung bekannt gibt: "Mit der Nummer neun, Benjamin Bomber." In Wels hat Neunteufel keinen Nachnamen mehr. Alle, auch der Trainer Reinhard Burits, nennen ihn "Bomber". Das spiegelt die Erwartungshaltung des Klubs wider. Neunteufel wurde verpflichtet, weil er Tore am Fließband schießen soll. Auch wenn’s in den ersten beiden Partien damit nicht geklappt hat - der Knoten wird platzen, sind die Welser überzeugt. "Für Beni ist das Umfeld komplett neu, aber er kommt immer besser in Fahrt. Er wird Woche für Woche stärker", sagt Trainer-Guru Burits, der seine Spieler auch schon mal über Kohlen laufen lässt.

Der FC Wels und Sankt Florian begegnen sich auf Augenhöhe. Anfangs diktiert Ereignislosigkeit das mit harten Bandagen geführte Spiel. Das Niveau: Irgendwo zwischen Bayernliga-Spitze und Regionalliga. "Bomber" Benni läuft viel, viel mehr als früher in Schalding, aber das Spiel läuft an ihm vorbei. Als zentrale Anspielstation wird er selten bis gar nicht in Szene gesetzt: Seine Kameraden probieren es immer über Außen. Dann geht Sankt Florian durch einen satten Drehschuss in Führung, der Bomber hadert. Die "Sharks", der Fanclub der Welser, verstummen. Es ist Halbzeit.

Im Vereinsheim bestellen die Fans Bosner, Bier und Maurerforellen. Das ist eine Pferdeknackwurst, mittig aufgeschnitten und mit grob gehackten Zwiebeln gefüllt. "Die Welser lieben das", sagt die Wirtin. Nebenan werden die Spielstände der parallel laufenden Liga-Partien mit Argusaugen verfolgt. An der Infotafel des Vereins prangt ein Artikel der Lokalzeitung: "Wels verpflichtet bayerischen Torschützenkönig."

Anpfiff zur zweiten Halbzeit. Sankt Florian dominiert zusehends, erzielt das 2:0, doch Wels hält dagegen. Allen voran Routinier Andreas Feichtinger, der schon 50 Bundesligaspiele in den Beinen hat. Auch Neunteufel wird jetzt griffiger. Dann eine Szene, die typisch ist für den 28-Jährigen: Von links kommt der Ball in den Strafraum geflogen, Neunteufel steht mit dem Rücken zum Tor, kontrolliert das Leder, dreht sich und knallt das Ding auf das Gehäuse. Der Gästekeeper kann gerade noch parieren. Kaum jemand beherrscht Abschirmen und Abschluss so wie Neunteufel. "Er hat Knipser-Qualitäten. Wir müssen ihn verkehrt anspielen, dann profitieren wir am meisten von ihm", sagt Burits.

Verkehrt anspielen - damit meint der Trainer, Neunteufel die Kugel zu geben, wenn er mit dem Rücken zum Tor steht. Auch in Schalding hat Bomber-Benni viele seiner 25 Bayernliga-Tore auf diese Weise erzielt. Darauf müssen die Welser aber zumindest bis zum nächsten Spiel warten: Neunteufel wird ausgewechselt. Raphael Wiesbauer kommt, und besorgt gleich den 1:2-Anschlusstreffer. Das 2:2 durch den Bulgaren Koprivarov zaubert Neunteufel dann zumindest ein Lächeln auf die Lippen. Es ist eine gequälte Freude: Nichts hasst ein Torjäger mehr, als seinen Kameraden beim Toreschießen zusehen zu müssen. "Sicherlich ist das nicht optimal. Aber ich muss mich hier erst mal eingewöhnen", sagt Neunteufel und fügt hinzu: "Es macht mir hier richtig Spaß. Die Mitspieler sind alle super Fußballer. Das Spiel ist schneller. Da kann ich auch noch dazu lernen."

Auch Kapitän Feichtinger ist voll des Lobes über den Passauer. "Der Benni ist ein Knipser. Wir wissen nur noch nicht, wie wir ihn am besten in Szene setzen. Aber das wird kommen, er wird seine Goals machen", ist er überzeugt. Gelegenheit, das Zusammenspiel zu verbessern, bietet sich bereits am nächsten Morgen. Denn Trainer Burits hat für Samstag um 10 Uhr ein Training angesetzt.




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