15.01.2022

"Wahnsinnig viel Zug drin": Willsch und 1860 gehen mit spielerischem Ernst in den "geilen Januar"


von Alexander Augustin


Bestens gelaunt in den Saisonendspurt gehen die Löwen um den Passauer Rechtsverteidiger Marius Willsch (v.l.), Verteidiger Semi Belkahia und Kapitän Stefan Lex. −Foto: Ulrich Wagner / imago images

Bestens gelaunt in den Saisonendspurt gehen die Löwen um den Passauer Rechtsverteidiger Marius Willsch (v.l.), Verteidiger Semi Belkahia und Kapitän Stefan Lex. −Foto: Ulrich Wagner / imago images

Bestens gelaunt in den Saisonendspurt gehen die Löwen um den Passauer Rechtsverteidiger Marius Willsch (v.l.), Verteidiger Semi Belkahia und Kapitän Stefan Lex. −Foto: Ulrich Wagner / imago images


Perfektes Trainingslager, breite Brust, intaktes Teamgebilde: Der Passauer Rechtsverteidiger Marius Willsch sieht seinen TSV 1860 München gerüstet für den Jahresstart der 3. Liga gegen Wehen Wiesbaden (Samstag, 14 Uhr / Magenta Sport).

Ein Trainingslager ist ja auch immer, was man daraus macht. Stefan Lex hat da durchaus Erfahrung mit seinen 32 Jahren. Kurz nach dem Jahreswechsel geht’s für ein paar Tage in wärmere Gefilde, um sich dort den letzten Schliff zu holen für den Saisonendspurt. Routine. Eben nicht. Lex ist der Meister der Trainingslager-Unterhaltung. "Der hatte ernsthaft einen extra Koffer mit Spielen dabei. Ich glaube, den musste er sogar als Sperrgepäck aufgeben", erzählt Marius Willsch, sein Passauer Teamkollege beim Drittligisten TSV 1860 München. "Beim Lexi ist das schon Tradition." Ein knappes Dutzend Gesellschaftsspiele hatte der ehemalige Bundesliga-Profi im Gepäck. Der Kapitän geht voran – auch bei der Freizeitgestaltung.

Nicht zuletzt wegen der durchdachten Abendunterhaltung sei das knapp einwöchige Camp im türkischen Belek "richtig stark" gewesen, sagt Willsch. Sein Trainer Michael Köllner beschwor sogar den "Geist von Belek", der die Löwen durch die kommenden Monate tragen soll.

Mit einem Sieg am Samstag (14 Uhr/Magenta Sport) gegen den SV Wehen Wiesbaden kann der TSV den Anschluss an die Spitzenplätze der 3. Liga herstellen – und dann naht ja auch noch das DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den Karlsruher SC an (Dienstag, 18.30 Uhr/Sky). Insgesamt stehen den Löwen fünf Spiele in 15 Tagen bevor. "Ein happiges Programm, aber Ende Januar wissen wir dann, wo es für uns hingehen kann", sagt Rechtsverteidiger Willsch.

Ganz schmerzfrei ist Willsch noch nicht - aber wild entschlossen

Den Grundstein haben die Giesinger in Belek gelegt – mit knackigen Einheiten und einem überzeugenden 3:1-Testspielsieg gegen Zweitligist Hansa Rostock. "Es war wirklich wahnsinnig viel Zug drin, das erste Training hat gleich zweieinhalb Stunden gedauert", erzählt Willsch.

Nicht nur für ihn selbst fast ein bisschen zu lang. Monatelang schlug sich der Niederbayer mit einer Schambeinentzündung herum. Erst Ende Oktober feierte Willsch sein Comeback. "Für mich war das schon hart, weil ich im Sommer keine Vorbereitung hatte. Ich muss genau dosieren, weil ich noch nicht komplett schmerzfrei bin."

Trotzdem fühlt sich Willsch fit für die anstehenden Aufgaben, bei Trainer Köllner ist er auch nach fast halbjähriger Verletzungspause schon wieder gesetzt als Rechtsverteidiger. Dennoch sagt er: "So eine lange Pause kannst du nicht so leicht aus den Ärmeln schütteln. Mir fehlt noch das Selbstverständnis von letzter Saison. Aber die paar Prozent kommen schon noch."

Das Mammutprogramm im Januar werde ihm und seinem Körper sogar eher zugute kommen, glaubt Willsch. "Es könnte von Vorteil sein, dass wir mehr spielen und weniger trainieren. Ich gehe davon aus, dass ich das gut wegstecke."

Das erste Pflichtspiel im neuen Jahr wollen die Löwen auf alle Fälle "mit viel Leidenschaft und Willen" angehen, wie Trainer Köllner auf der Spieltagspressekonferenz sagte. Seine Mannschaft müsse "gleich auf 100 Prozent kommen". Die veränderte Statik im Mannschaftsgefüge soll dabei helfen.

"Flache Hierarchie" statt Alpha-Löwe

Nach dem Wirbel um den inzwischen zur SG Sonnenhof Großaspach gewechselten Ex-Kapitän Sascha Mölders hat sich die Hierarchie in der Mannschaft schnell gefunden. Statt einem Alpha-Löwen gibt es nun eine Mannschaft ohne Kompetenz-Gefälle. "Natürlich hat Sascha mit seiner Aura viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Wir müssen jetzt aus seinem Schatten hervortreten", sagt Willsch.

Das oft kolportierte Zerwürfnis innerhalb der Mannschaft habe es aber nie gegeben. "Wir waren auch davor ein Team, sonst wären wir in der letzten Saison nicht so stark gewesen." Das Theater aus dem Dezember habe man längst aus den Knochen geschüttelt, böses Blut gebe es sowieso nicht: "Sascha hat unbestritten viel geleistet für 1860 und sicherlich auch großen Anteil am Aufstieg in die 3. Liga.", sagt Willsch.

Nun ist der Passauer mit seinen 30 Jahren in einer Führungsrolle gefragt – wie viele andere auch. "Ich bin ein Befürworter der flachen Hierarchie", sagte der seit dem Mölders-Abgang aufblühende Neu-Kapitän Lex im Trainingslager.

Die neuen Strukturen innerhalb der Mannschaft scheinen zu fruchten. Schon in den beiden Spielen vor der Winterpause überzeugten die Löwen, holten ohne Gegentor die vollen sechs Punkte gegen Würzburg und Dortmund II. Der Glaube an die eigene Stärke ist zurück, die Aussicht auf den "geilen Januar" (Michael Köllner) beflügelt zusätzlich. "Wenn wir an die letzten Wochen anknüpfen", sagt Marius Willsch, "bin ich guter Dinge".

Der "Geist von Belek", er umweht die Löwen in diesen Tagen. Würde sich übrigens auch gut als Titel eines Brettspiels machen. Stefan Lex wird sicher schon ein paar Ideen haben.




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