13.10.2021

Ganz schwierige Situation für Schalding – aber: "Wir werden das schaffen"


von Andreas Lakota


Erst hatten sie kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu: Chris Seidl hatte gegen Rain die dicke Chance zum Ausgleich, scheiterte aber am Keeper. Der Stürmer wartet nach seiner Rückkehr aus Künzing noch auf sein erstes Regionalligator für Schalding. −Foto: Lakota

Erst hatten sie kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu: Chris Seidl hatte gegen Rain die dicke Chance zum Ausgleich, scheiterte aber am Keeper. Der Stürmer wartet nach seiner Rückkehr aus Künzing noch auf sein erstes Regionalligator für Schalding. −Foto: Lakota

Erst hatten sie kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu: Chris Seidl hatte gegen Rain die dicke Chance zum Ausgleich, scheiterte aber am Keeper. Der Stürmer wartet nach seiner Rückkehr aus Künzing noch auf sein erstes Regionalligator für Schalding. −Foto: Lakota


Schon der erste Satz sorgte für Aufregung. Stefan Köck hatte gerade begonnen, seine Sichtweise auf das Spiel wiederzugeben, da wurde er auf der Pressekonferenz unterbrochen. Und zwar von den eigenen Fans. "Buh", schrien einige von der Tribüne hinunter, "ah geh weida", riefen andere. Manche lachten auch laut. Köck blickte etwas irritiert auf die Ränge, blieb dann aber ruhig und setzte seine Ausführungen sachlich fort.

Begonnen hatte der Trainer des SV Schalding sein Statement mit folgenden Worten: "Ich denke, dass es eine ordentliche Leistung war von uns." Diese Einschätzung teilten längst nicht alle der 708 Zuschauer, die am Samstag zum Duell gegen den Tabellenvorletzten TSV Rain an den Reuthinger Weg gekommen waren und mitansehen mussten, wie die SVS-Spieler nach 90 Minuten mit hängenden Köpfen vom Platz schlichen. 0:1 verloren die Passauer Vorstädter dieses so eminent wichtige Heimspiel gegen eine biedere Mannschaft, die absolut zu knacken gewesen wäre. "Wenn wir gegen die nicht mehr gewinnen, gegen wen dann", fragte hinterher ein treuer Fan auf der Haupttribüne, ein anderer sprach gar von einer "Offenbarung". Und wie konnte der Trainer da bitte von einer "ordentlichen Leistung" reden?

Sportchef Markus Clemens will die ganze Sache nicht überbewerten oder gar hochhängen. "Emotionale Reaktionen sind im Fußball doch ganz normal. Es ist ja gut, dass die Zuschauer dabei sind, dass es sie bewegt, was wir machen", sagt der langjährige Funktionär. "Wir kennen uns alle untereinander, daher ist das alles kein Problem. Wir haben aktuell andere Sorgen."

Soll heißen: Viel wichtiger für die Schaldinger Verantwortlichen ist die aktuelle sportliche Situation, die Clemens "als sehr schwierig" bezeichnet. "Wir kennen alle die Tabelle, diese lügt jetzt nicht mehr." 16 Punkte nach 17 Spieltagen, dazu nur 18 erzielte Tore − für den direkten Klassenerhalt würde diese Ausbeute nicht reichen. Von daher werde aktuell alles unternommen, so Clemens, die Wende herbeizuführen. "Wir geben absolut Vollgas. Und ich bin zu einhundert Prozent überzeugt, dass wir es hinbekommen".

Sportchef und Trainer führen täglich Gespräche, untereinander und mit den Spielern. Dabei herrscht Einigkeit: An der Einstellung und am Engagement mangelt es niemanden. Auch gegen Rain konnte man der Mannschaft diesbezüglich keinen Vorwurf machen. Die Mannen von Trainer Köck ließen wirklich nichts unversucht, um das Spiel irgendwie auf ihre Seite zu ziehen. Sie gaben keinen Ball verloren, grätschten und rannten bis zur 95. Minute an, immer wieder flogen die Bälle in den Rainer Strafraum.

Allerdings: Das ganz große Feuer konnte Schalding nicht entfachen. Dass der SVS gegen ein Team, das zuvor in 16 Partien 43 Gegentreffer schlucken musste, auf heimischen Platz kein einziges Tor erzielen konnte, sagt viel. Selbst in Überzahl – Gäste-Spieler Nicola Della Schiava sah Gelb-Rot (79.) – kam Schalding nicht zum Erfolg. "Offensiv war es einfach zu wenig", urteilt auch Clemens. Rain stellte sich nach der frühen Führung einfach hinten rein und wartet ab. Dass Schalding oft Probleme hat, gegen tief stehende Mannschaften zum Erfolg zu kommen, zumal die Niederbayern mangels bulligem Mittelstürmer auch nicht mit hohen Bällen operieren können, hat sich auch bis nach Schwaben herumgesprochen.

Was fehlt ist neben der Durchschlagskraft im Angriffsspiel vielleicht manchmal auch eine Portion Aggressivität, ein Schuss Überzeugung, was bei den Siegen gegen Bayern oder Unterhaching in fast jeder Szene zu spüren war. "Es sind immer so Wellenbewegungen, das zieht sich schon seit Wochen durch. Wir schaffen es einfach nicht, konstant das Maximum auf den Platz zu bringen", sagt Clemens. Und auch nicht, einfach mal dreckig mit 1:0 zu gewinnen. Eben so, wie es Rain in Schalding getan hat.

Als der Schiedsrichter nach 95 Minuten das Spiel beendete, sanken einige Schaldinger frustriert zu Boden, blieben enttäuscht liegen. Keeper Simon Busch saß noch minutenlang einsam auf dem Rasen. "Diese Niederlage tut richtig weh. Für die Spieler ist es sehr schmerzhaft, wenn du 90 Minuten überlegen bist und am Ende mit leeren Händen dastehst", sagte Köck und schickte mit Blick auf das nächste wichtige Spiel am Samstag bei der Spvgg Greuther Fürth II hinterher: "Es ist jetzt sicher Aufbauarbeit nötig." Das sieht auch Clemens so – und macht den enttäuschten Fans zugleich Hoffnungen: "Wir geben alles. Und wir werden Lösungen finden. Ganz sicher."

Hier lesen Sie: Elfer-Aufreger, murrende Fans und eine bittere Pleite: Schmerzhafter Samstag für Schalding.




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