28.04.2021

Lose oder Turniere: Der ungewöhnliche Weg der Amateure in den DFB-Pokal



−Foto: dpa

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Die Chance auf den DFB-Pokal will sich der FC Rot-Weiß Erfurt nicht so einfach nehmen lassen. Der bis in die fünftklassige Oberliga abgestürzte frühere Zweitligist aus Thüringen geht rechtlich dagegen vor, einfach kampflos aus dem Landespokal zu fliegen.

"Die Entscheidung, die der Thüringer Fußball-Verband getroffen hat, zwei Vereine zu bestimmen, die das Finale spielen, ist weder gerecht noch im Sinne des Fußballs", sagte Clubchef Franz Gerber. Auch Erfurts Ligakonkurrent FC An der Fahner Höhe setzt sich für gleiche Möglichkeiten im Kampf um einen Platz im kommenden DFB-Pokal ein.

Allerdings können die 21 Verbandspokal-Wettbewerbe wegen der Corona-Krise deutschlandweit schlicht nicht wie gewohnt zu Ende gespielt werden. Während an diesem Freitag und Samstag zwischen Werder Bremen und RB Leipzig sowie Borussia Dortmund und Holstein Kiel die Finalisten für das nationale Finale ermittelt werden, ist die Situation bei den Amateuren eine ganz andere. Die Vielzahl der Teilnehmer darf nicht gemeinsam trainieren, teilweise wurde erst eine Runde absolviert. Und so sind andere Regelungen nötig, denn neben den regionalen Titeln geht es um das neue Starterfeld für den DFB-Pokal. In Bayern wird derzeit über eine Lösung mit den 24 verbliebenen Mannschaften der zweiten Totopokal-Runde verhandelt, noch ist nichts spruchreif.

Verband erklärte zwei Regionalligisten zu Finalisten

Aber die mehrheitliche Entscheidung der 32 noch im Wettbewerb vertretenen Teams in Thüringen stieß anders als andernorts auf einige Gegenwehr. Am 29. Mai sollen im Rahmen des jährlichen Finaltags der Amateure die Regionalliga-Mannschaften des FC Carl Zeiss Jena und des ZFC Meuselwitz aufeinander treffen. "Wir haben uns dazu entschieden, Rechtsmittel gegen den Beschluss einzulegen", sagte Gerber. Wie der Streit ausgeht, ist offen. Viel Zeit bleibt nicht.

Viele Landesverbände würden nach den flächendeckenden Abbrüchen im Amateur-Fußball zumindest mit ihren höherklassigen Teams den Pokal in verkürzter Form beenden. Während sich die Dritt- und Regionalligisten leise Hoffnungen auf weitere Spiele machen können, sieht das bei den unterklassigeren Teams ganz anders aus. Sie sollen mit niedrigen vierstelligen Summen für das nicht-sportliche Aus entschädigt werden und bekommen mitunter ein Pokal-Startrecht in ihrem Verband für die nächste Spielzeit. Keine Chance mehr haben sie jedoch auf 175 500 Euro Prämie in der ersten DFB-Pokalrunde. Wer es als Außenseiter in Runde zwei schafft, bekommt auch in der nächsten Saison sogar 351 000 Euro als Anteil an den Vermarktungserlösen vom DFB.

Auch das Los-Verfahren ist möglich

"Das ist generell Sache der Landesverbände", sagte eine Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes zur Ermittlung der Landespokalsieger. Das führt zu ungewöhnlichen Szenarien. Die Gewinner des Niederrheinpokals sowie des Westfalenpokals werden beispielsweise durch Turniere der Dritt- und Viertligisten ermittelt. Sollte aufgrund der Pandemie gar nicht gespielt werden können, würde nicht nur in Hamburg wohl der bestplatzierte ranghöchste Verein für den DFB-Pokal nominiert. In Thüringen könnte der Vertreter für die erste Hauptrunde dann im ungünstigsten Fall unter notarieller Aufsicht ausgelost werden.

"Die Teilnehmer am DFB-Pokal sollen, sofern es die Verfügungslage zulässt, sportlich ermittelt werden. Andernfalls kommt auch hier eine alternative Entscheidungsfindung in Betracht", sagte Günter Distelrath, Verbandspräsident in Niedersachsen. In Berlin ist eine der Bedingungen für die Fortsetzung des Wettbewerbs zunächst noch, dass der Senat der Hauptstadt den Mannschaften eine Sondergenehmigung im Sinne der Regelung zu Berufssportlerinnen erteilt. Passiert das nicht, sind alle Spielpläne ohnehin hinfällig.

Der Fußballverband Sachsen-Anhalt hat bereits beschlossen, den Wettbewerb mit aktuellem Stand erst in der kommenden Saison fortzusetzen. Deswegen nannte der FSA das für den 29. Mai angesetzte Duell zwischen dem Halleschen FC und dem 1. FC Magdeburg auch gar nicht erst Finale, sondern schrieb auf der Internetseite von einem "Qualifikationsspiel" für den DFB-Pokal. Sollten die Begegnungen am Finaltag der Amateure nicht ausgetragen werden können, würde für die einzelnen Verbände nach aktuellem Stand noch bis zum 1. Juli Zeit bleiben, um die Starter für den DFB-Pokal 2021/2022 zu melden.




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