22.02.2021

Bayerns Regionalliga droht Abbruch – Playoffs "aus der kalten Hose"?


von Alexander Augustin


Feierabend-Fußball in der Corona-Blase. Das lehnen viele bayerische Regionalligisten anders als im Westen und Südwesten Deutschlands ab. −Symbolfoto: A. Lakota

Feierabend-Fußball in der Corona-Blase. Das lehnen viele bayerische Regionalligisten anders als im Westen und Südwesten Deutschlands ab. −Symbolfoto: A. Lakota

Feierabend-Fußball in der Corona-Blase. Das lehnen viele bayerische Regionalligisten anders als im Westen und Südwesten Deutschlands ab. −Symbolfoto: A. Lakota


Die Regionalliga Bayern unterliegt als Schwelle zum Profifußball besonderen Zwängen – die könnten zum baldigen Abbruch führen.

"Ich bin mir nicht sicher, ob es sinnvoll ist, an der Saison festzuhalten", sagt etwa Schaldings Sportlicher Leiter Markus Clemens, der in der Regionalliga auch Sprecher der Amateurvereine ist. Die Lage ist verzwickt. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) hat die Saison im Amateurfußball zwar bis 30. Juni ausgedehnt. Nach PNP-Informationen muss die Spielzeit der 4. Liga allerdings bis 8. Mai de facto abgeschlossen sein. Dann muss der BFV seinen Vertreter in der Relegation zur 3. Liga melden.

Dieser soll – nach dem Ende der eigentlichen Saison – unter den vier Top-Mannschaften in Playoffs ausgespielt werden. Aller Voraussicht nach werden diese auch als einzige einen Antrag auf Drittliga-Lizenz stellen: Schweinfurt, Bayreuth, Aschaffenburg sicher, bei Nürnberg II ist man dem Vernehmen nach noch unschlüssig. Eine sportliche Ermittlung der Playoff-Teilnehmer über die Liga wäre also obsolet. "Stand jetzt hoffen wir darauf, dass wir vor den Playoffs noch Punktspiele haben", sagt Schweinfurts neuer Sportdirektor Robert Hettich. "Ich habe die Hoffnung, dass wir im April spielen können." Über andere Szenarien mache man sich bei den "Schnüdel" keine Gedanken, sagt Hettich. Aber natürlich sei man auch für Playoffs "aus der kalten Hose" offen. Hauptsache sie werden gespielt.

Das Szenario läge auf der Hand: Die Saison wird abgebrochen und die Playoffs zur Relegation werden mit einer Ausnahmegenehmigung unter Profi-Bedingungen durchgeführt. Die wäre wohl zu bekommen, im Westen und Südwesten spielen die Regionalligen trotz Lockdown. In Schweinfurt zumindest werden sie dieses Szenario aber nicht forcieren: "Wir können nichts erzwingen, wir sind ja auch nur Teil eines großen Ganzen", sagt Hettich. Gut möglich, dass sie das bei der Spvgg Bayreuth anders sehen. Im Herbst, als die Regionalligisten diskutierten, ob sie den Profi-Status anstreben, der ihnen ein Weiterspielen im Lockdown ermöglicht hätte, stellten sich die Oberfranken gegen die Mehrheit: "Wir betreiben hier Leistungssport", sagte Bayreuths Sportchef Marcel Rozgonyi im November dem "Donaukurier". Bei den "Kleinen" kam das gar nicht gut an.

Tabelle mit Punkte-Quotienten nur bedingt fair

So wird die einzige Lösung aller Voraussicht nach der Abbruch sein. Der BFV, der sich zu konkreten Szenarien nicht äußern will, hat dafür schon vor längerer Zeit einen entsprechenden Paragrafen geschaffen: Wenn mindestens 75 Prozent der Mannschaften mindestens 50 Prozent der Spiele ausgetragen haben, kann eine Saison gewertet werden. Diesen Wert hat die Regionalliga locker erreicht. Dann bliebe noch die Frage der Wertung: Eine Berechnung der Tabelle mit dem Punkte-Quotienten würde eine nur bedingt faire Lösung bieten. Gut möglich, dass der BFV im Fall der Fälle den Abstieg komplett aussetzt, was aber wiederum Auswirkungen auf die Ligen darunter hätte, die – wenn es die Pandemie zulässt – bis zum 30. Juni spielen könnten.

Auch eine Option: Die vier Playoff-Teilnehmer werden frühzeitig aus der Regionalliga-Wertung genommen (so geschah es auch mit Drittliga-Aufsteiger Türkgücü München im Sommer 2020) und die Liga wird dann mit nurmehr 13 Vereinen zu Ende gespielt. Für die meisten Klubs wäre das aber ein Spiel um die goldene Ananas.

Der Artikel ist bereits in der PNP vom Samstag, 20. Februar, erschienen (zum Online-Kiosk). Hier können Sie den gesamten Text bei PNP Plus lesen.




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