22.02.2021

"Die Rolle des Jägers ist cool": Windorfer Maxi Bauer (21) über Fürths Lauf und das Angeln



Die Stimmung stimmt: Maximilian Bauer (r.) klatscht mit Torhüter Sascha Burchert ab, zusammen feiern sie das 0:0 gegen den Hamburger SV. Bauer hatte zwischenzeitlich für seinen bereits geschlagenen Keeper gerettet, als er einen Schuss des HSV-Stürmers Terodde (nicht im Bild) von der Linie kratzte. −Foto: Reinhardt, dpa

Die Stimmung stimmt: Maximilian Bauer (r.) klatscht mit Torhüter Sascha Burchert ab, zusammen feiern sie das 0:0 gegen den Hamburger SV. Bauer hatte zwischenzeitlich für seinen bereits geschlagenen Keeper gerettet, als er einen Schuss des HSV-Stürmers Terodde (nicht im Bild) von der Linie kratzte. −Foto: Reinhardt, dpa

Die Stimmung stimmt: Maximilian Bauer (r.) klatscht mit Torhüter Sascha Burchert ab, zusammen feiern sie das 0:0 gegen den Hamburger SV. Bauer hatte zwischenzeitlich für seinen bereits geschlagenen Keeper gerettet, als er einen Schuss des HSV-Stürmers Terodde (nicht im Bild) von der Linie kratzte. −Foto: Reinhardt, dpa


Maximilian Bauer (21) spielt eine fabelhafte Saison, persönlich als auch als Teil der Spvgg Greuther Fürth. Im Interview spricht der Windorfer (Lkr. Passau) über das Top-Spiel am Montagabend (22. Februar, 20.30 Uhr/Sky) gegen Kiel, das Angeln und die Aussicht auf Erstliga-Fußball.

Herr Bauer, der "Kicker" als Fußballfachmagazin führt Sie in seiner Winter-Rangliste als 10.-besten Verteidiger der 2. Bundesliga, in Ihrem ersten Jahr als Stammspieler. Was sagen Sie dazu?
Maximilian Bauer: Ich habe davon gehört, ein paar Verwandte haben mir das zugeschickt. Das freut mich natürlich, aber ich bewerte das nicht zu hoch.

Fürth ist die zweite Trainerstation des Ex-Ingolstädters Stefan Leitl. −Foto: dpa

Fürth ist die zweite Trainerstation des Ex-Ingolstädters Stefan Leitl. −Foto: dpa

Fürth ist die zweite Trainerstation des Ex-Ingolstädters Stefan Leitl. −Foto: dpa


In der Innenverteidigung sind Sie gesetzt: 17 Einsätze, davon 13-mal über 90 Minuten. Warum vertraut Ihnen der Trainer Stefan Leitl so sehr?
Bauer: Ich denke, dass wir uns als Mannschaft allgemein gut verkaufen. Wenn man als Mannschaft gut spielt, dann gibt es nicht so viele Gründe zu wechseln.

Und was können Sie der Mannschaft geben?
Bauer: Ich bin eher ein moderner Innenverteidiger…

Sie klopfen keine Bälle nach vorn?
Bauer: (Lacht.) Nein, das war früher vielleicht der Fall. Meine Stärken liegen – denke ich – im Spielaufbau, mein Defensivkopfball ist relativ gut und mein Stellungsspiel auch.

Waren Sie immer Verteidiger?
Bauer: Nein, ich war früher Stürmer, bis zur D-Jugend, dann wurde ich immer weiter nach hinten gereicht. Als ich ganz jung war, hat mir das natürlich nicht gefallen. Ich wollte Tore schießen und habe auch gar nicht so wenige gemacht (lacht). Aber mit der Zeit habe ich selbst gemerkt, dass mir diese Position am besten liegt.

Meistens spielen Sie neben Mergim Mavraj. Was lernen Sie von einem so erfahrenen Profi, der bald 300 Einsätze in 1. und 2. Bundesliga hat?
Bauer: Mergim ist ganz wichtig für uns. Schon allein, wie viel er mit uns redet, auf dem Platz oder daneben: Er kann uns zu jeder Situation Tipps geben. Das ist auch für mich wichtig, vor allem, weil ich noch so jung bin.

Fünf Punkte fehlen noch, dann hat die Spvgg Greuther Fürth schon jetzt so viele Punkte wie nach der Vorsaison (44). Was macht euch so stark?
Bauer: Wir sind eine spielstarke Mannschaft, das gibt es nicht so oft in der 2. Bundesliga. Bei uns gibt es klare Abläufe; jeder weiß, was er zu tun hat. Wir haben mit Ball immer eine Lösung.

Ihr Opa Walter Mühlbauer dürfte stolz auf Sie sein?
Bauer: Ja, wir haben oft Kontakt! Opa gibt mir öfters Feedback nach dem Spiel, er freut sich aber auch allgemein für die Mannschaft.

Wir haben auch gehört, dass Sie sich ein neues Hobby gesucht haben: das Angeln!
Bauer: Ja, ich bin gerade dabei, online den Angelschein zu machen. Ich fand das schon immer cool und in der Mannschaft gibt es auch mehrere Spieler, die angeln. Außerdem liegt Windorf, wo ich herkomme, ja auch an der Donau, und meine besten Kumpels von zuhause machen auch gerade den Angelschein.

Was gibt Ihnen das Angeln, was der Profifußball Ihnen nicht geben kann?
Bauer: Ich glaube, dass man damit sehr gut abschalten kann. Ich stelle mir das schön vor, mit den Kumpels am Wasser zu sitzen.

Wenn gerade keine Pandemie ist kommen Sie gern nach Windorf zu ihren Freunden, richtig?
Bauer: Ja, wenn es möglich ist, dann spielen wir gern Böhmisch-Watten im Vereinsheim. Ich schneide mal so mal so ab … die Jungs haben aber eindeutig einen Vorteil an Erfahrung! (Lacht.)

In Deutschland wird leidenschaftlich über den Profifußball gestritten. Es ist sehr viel Geld im Spiel, in der Corona-Pandemie wird noch genauer geschaut. Wie gehen Sie mit den hohen Erwartungen an Fußballprofis um?
Bauer: Ich glaube, dass da jeder Mensch ein anderer Typ ist: Einer empfindet es vielleicht als Druck, den anderen interessiert es überhaupt nicht.

Und wo zwischen diesen beiden Polen liegen Sie?
Bauer: Ich zerbreche mir nicht den Kopf und genieße es, dass ich das Privileg habe, dass mein Hobby auch mein Beruf ist.


Ihr Vertrag läuft im Sommer 2022 aus. Seit über sechs Jahren spielen Sie für die Spvgg Greuther Fürth. Ihr Wunsch für die Zukunft?
Bauer: Das ist noch ein bisschen hin, bis der Vertrag ausläuft. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Warum spielen Sie gern in Fürth?
Bauer: Es ist optimal für junge Spieler. Fürth bietet ein ruhiges Umfeld und eine schicke, aber trotzdem ruhige Stadt. Man kann ruhig arbeiten und den jungen Spielern wird vertraut. Wir sind die jüngste Mannschaft der 2. Liga, in der Hinsicht ist Fürth schon etwas Besonderes.

Mit dem 0:0 gegen den Hamburger SV vor knapp einer Woche habt ihr euch eine gute Ausgangslage bewahrt. Ausgerechnet gegen Simon Terodde haben Sie den Ball von der Linie gekratzt ...
Bauer: Ja, unser Torwart ist aus dem Tor gekommen und ich bin instinktiv auf die Linie gelaufen. Ich weiß nicht, ob ich den Ball auch bekommen hätte, wenn wir in der Tabelle hinten drinstehen würden.

Jetzt stehen weitere Spiele gegen direkte Konkurrenten an: Kiel am Montag, dann Hannover, dann Bochum. Wie lautet die Zielvorgabe?
Bauer: Wir wollen diese schweren Spiele bestmöglich bestreiten und es gut machen. Aber klar: Wenn man oben ist, möchte man auch oben bleiben.

Fürth ist Vierter. Gefällt Ihnen die Rolle des Jägers besser als die des Gejagten?
Bauer: Ja, die Rolle des Jägers ist schon cool. Wir haben nichts zu verlieren. Wo wir aktuell stehen, ist aber nicht so wichtig. Lieber wäre mir, wenn wir am Ende der Saison oben sind.

Das Gespräch führte Sebastian Lippert.




URL: http://www.heimatsport.de/fussball/profis/2.bundesliga/3919626_Die-Rolle-des-Jaegers-ist-cool-Windorfer-Maxi-Bauer-21-ueber-Fuerths-Lauf-und-das-Angeln.html
Copyright © Passauer Neue Presse GmbH. Alle Inhalte von heimatsport.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterveröffentlichung, Vervielfältigung, Verbreitung auch in elektronischer Form, sowie eine Speicherung, die über die private Nutzung hinausgeht, ist ohne vorherige Zustimmung des Verlages nicht zulässig.