18.01.2021

"Gott hat mir erlaubt, das Fenerbahce-Trikot zu tragen": Özil in Instanbul – ein Transfer aus Liebe



Mesut Özil, ehemaliger deutscher Fußball-Nationalspieler, hält nach seiner Ankunft am Atatürk-Flughafen einen Fenerbahce-Schal. −Foto: dpa

Mesut Özil, ehemaliger deutscher Fußball-Nationalspieler, hält nach seiner Ankunft am Atatürk-Flughafen einen Fenerbahce-Schal. −Foto: dpa

Mesut Özil, ehemaliger deutscher Fußball-Nationalspieler, hält nach seiner Ankunft am Atatürk-Flughafen einen Fenerbahce-Schal. −Foto: dpa


Der ehemalige deutsche Fußball-Nationalspieler Mesut Özil ist nach seinem Abschied vom FC Arsenal in Istanbul angekommen.

Auf dem Atatürk-Flughafen ließ er sich am späten Sonntagabend mit einem Schal seines neuen Clubs Fenerbahce fotografieren. Er sei aufgeregt und "sehr glücklich", sagte er nach seiner Ankunft. Gott hat mir erlaubt, das Fenerbahce-Trikot zu tragen", sagte der 32-Jährige in einer Live-Schalte beim Sender "NTV": "Ich werde es mit Stolz tragen und alles für das Team geben." Der Sender CNN Türk berichtete, Özil begebe sich zunächst in Quarantäne.

Vereinspräsident Ali Koc hatte nach Angaben des türkischen Senders NTV ein Privatflugzeug geschickt, um Özil, seine Ehefrau und die kleine Tochter aus London abzuholen. Der 32-Jährige hatte in den sozialen Netzwerken auch verschiedene Bilder der Abreise aus London veröffentlicht.

Fenerbahce Istanbul schrieb auf Twitter, der Transfer-Prozess ginge weiter. Nach siebeneinhalb Jahren bei Arsenal wechselt der Mittelfeldspieler von der englischen Premier League in die türkische Süper Lig.

Der Wechsel sorgte bei Fenerbahce-Fans für Euphorie. Die Zeitung "Milliyet" schrieb, eine "Fußball-Marke" komme nach Istanbul, für Fenerbahce werde ein lange gehegter Traum wahr. Türkischen Medienberichten zufolge liegt Özils Jahresgehalt bei fünf Millionen Euro – damit verdient er deutlich weniger als in London.

Doch es ist ohnehin kein Transfer des Geldes wegen, sondern einer aus Liebe: In Istanbul hatte Özil im Sommer 2019 seine Amine geheiratet, die in der Millionenmetropole lange Zeit ihren Lebensmittelpunkt hatte. Trauzeuge damals: Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Der Machthaber steht zwar auch Meister Basaksehir sehr nahe, gilt aber seit seiner Jugend als Fener-Fan.

Bei den "Kanonieren" hatte Özil keine Zukunft mehr – und so wird er jetzt ein "gelber Wellensittich". Fenerbahce steht in der Türkei etwas im Schatten von Rekordmeister Galatasaray, hat mit 19 Meisterschaften (zuletzt 2014) und sechs Pokalsiegen aber eine stolze Erfolgsbilanz. Aktuell ist der Klub Zweiter der SüperLig - und hat im Gegensatz zu Arsenal gute Chancen auf die Champions League.

Bei den Gunners stand Özil zuletzt im Abseits. Er war nicht einmal mehr für die Premier League gemeldet. Dennoch gab es auch ernsthaftes Interesse von DC United aus der nordamerikanischen Profiliga MLS, von einem italienischen Erstligisten und aus Katar.

Doch die Türkei scheint die logischste Wahl. So sehr Özils Image in Deutschland seit den Erdogan-Fotos vor und dem historischen sportlichen Desaster bei der WM 2018 in Russland gelitten hat, so sehr ist sein Ansehen in der Heimat seiner Eltern gestiegen. Schon die ersten Nachrichten von einem möglichen Transfer zu Fenerbahce hatten die Fans in Ekstase versetzt, Özil dürfte trotz Corona ein stürmischer Empfang erwarten.

Und auch Özils Mutter Gulizar dürfte glücklich sein. Der Sohn hatte ihr einst versprochen, einmal für Fenerbahce zu spielen. Was der 92-malige Nationalspieler (23 Tore) fußballerisch noch drauf hat, ist aber ungewiss. Özil hat seit März 2020 kein Spiel mehr für Arsenal bestritten – das war noch vor der Corona-Unterbrechung in der Premier League. Dass der Klub den früheren Schalker und Bremer loswerden wollte, lag allerdings zuvorderst am üppigen Gehalt des Topverdieners von umgerechnet 390.000 Euro/Woche.

Im vergangenen Oktober hatte Özil seinem monatelang aufgestauten Frust in einem Twitter-Rundumschlag Luft verschafft. "Ich habe Arsenal, dem Klub, den ich liebe, meine Loyalität und Treue geschworen", schrieb er damals: "Es macht mich traurig, dass dies nicht erwidert wird." Diese Liebe will er jetzt in Istanbul finden. − dpa/sid/red




URL: http://www.heimatsport.de/fussball/profis/profis/3891550_Gott-hat-mir-erlaubt-das-Fenerbahce-Trikot-zu-tragen-Oezil-in-Instanbul-ein-Transfer-aus-Liebe.html
Copyright © Passauer Neue Presse GmbH. Alle Inhalte von heimatsport.de sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterveröffentlichung, Vervielfältigung, Verbreitung auch in elektronischer Form, sowie eine Speicherung, die über die private Nutzung hinausgeht, ist ohne vorherige Zustimmung des Verlages nicht zulässig.