25.12.2020

Blick zurück mit ganz viel Stolz: Johanna Maier und Sabrina Putz beenden Karriere



Dauerjublerinnen: Sabrina Putz (links) und Johanna Maier durften mit dem FC Ruderting den Durchmarsch bis in die Bayernliga feiern. −Foto: Kaiser

Dauerjublerinnen: Sabrina Putz (links) und Johanna Maier durften mit dem FC Ruderting den Durchmarsch bis in die Bayernliga feiern. −Foto: Kaiser

Dauerjublerinnen: Sabrina Putz (links) und Johanna Maier durften mit dem FC Ruderting den Durchmarsch bis in die Bayernliga feiern. −Foto: Kaiser


Sie hätten sich einen schöneren sportlichen Ausstand gewünscht als das 1:2 beim FFC Hof am 24. Oktober. Dennoch können Johanna Maier (32) und Sabrina Putz (27), die beiden Fußballerinnen des FC Ruderting, auf eine überaus erfolgreiche Karriere zurückschauen, die sie nun auf Platz 2 in der Bayernliga beenden.

"Es hat sich schon ein bisserl angefühlt wie ein Abschied durch die Hintertür", denkt Maier, die seit Jahren auch als Abteilungsleiterin des Vereins fungiert, wehmütig an ihre letzte Partie. Genau wie Sabrina Putz hätte sie zu gerne – wie eigentlich geplant– vor eigenem Publikum die Laufbahn ausklingen lassen. Corona machte beiden einen Strich durch die Rechnung.

Als Spielmacherin hat Gründungsmitglied Johanna Maier (links) die Erfolgsgeschichte der Rudertinger Frauen mitgeprägt. −Foto: Sigl

Als Spielmacherin hat Gründungsmitglied Johanna Maier (links) die Erfolgsgeschichte der Rudertinger Frauen mitgeprägt. −Foto: Sigl

Als Spielmacherin hat Gründungsmitglied Johanna Maier (links) die Erfolgsgeschichte der Rudertinger Frauen mitgeprägt. −Foto: Sigl


"Trotzdem: Ich war 15 Jahre im Damenbereich unterwegs, also lange genug dabei. Jetzt sollen die Jüngeren ran, und davon haben wir ja zum Glück eine ganze Reihe", betont das Gründungsmitglied der Rudertinger Frauenfußball-Sparte. Der Blick zurück erfüllt die 32-Jährige mit Stolz: "Kein Mensch hätte so eine sportliche Entwicklung für möglich gehalten. Es ist jedes Jahr gelungen, nochmal was draufzusetzen, die Mannschaft hat sich immer weiterentwickelt. Freilich wurden wir zu Beginn belächelt. Das ist aber längst vorbei. Der Frauenfußball hat mittlerweile generell und vor allem in unserem Verein ein Super-Standing. Es hat riesigen Spaß gemacht, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um kürzerzutreten", sagt die Immobilienmaklerin.

Nicht zu bremsen auf dem Weg zum Tor: Sabrina Putz hat sich zu einer der Top-Stürmerinnen in Niederbayern entwickelt. −Foto: Sigl

Nicht zu bremsen auf dem Weg zum Tor: Sabrina Putz hat sich zu einer der Top-Stürmerinnen in Niederbayern entwickelt. −Foto: Sigl

Nicht zu bremsen auf dem Weg zum Tor: Sabrina Putz hat sich zu einer der Top-Stürmerinnen in Niederbayern entwickelt. −Foto: Sigl


2011 und 2016 gelang der Truppe der Aufstieg in die Landesliga und im Vorjahr erstmals der Sprung in die Bayernliga. Auch dort haben sich die Rudertingerinnen bravourös behauptet und überwintern als Tabellenzweiter mit vier Punkten Rückstand auf den niederbayerischen Rivalen SV Frauenbiburg als Zweiter. Als Erfolgsgeheimnis sieht Maier den enormen Zusammenhalt in der Truppe: "Das war und ist eine starke Einheit. Jede bringt sich ins Vereinsleben ein, man fühlt sich einfach wohl in dieser Gemeinschaft. Bei uns wurde noch jede neue Spielerin herzlich aufgenommen. Das hat sich auch herumgesprochen und deshalb haben sich uns in den letzten Jahren auch immer wieder Top-Fußballerinnen angeschlossen."

Geld gibt es für keine, die Damen sind ganz einfach begeisterte Kickerinnen. "Wenn es nicht so wäre, würde man auch den gewaltigen Aufwand in Landesliga oder Bayernliga nicht in Kauf nehmen", sagt Sabrina Putz. Sie ist seit 2018 als Gymnasiallehrerin für Mathematik und Wirtschaft in Neubiberg bei München tätig. Ein Spiel versäumt hat sie in dieser Zeit nicht. "Man freut sich ja die ganze Woche, dass man wieder mit den Mädels zusammenkommen und spielen darf. Das entschädigt dafür, dass manches Wochenende schon eine echte Hetzerei war", erklärt die 27-Jährige.

Seit zehn Jahren jagt sie beim FCR der Kugel nach – mit beeindruckender Bilanz: 146 Treffer hat sie in 133 Partien erzielt. Und dabei fing die aus Hochwegen bei Fürsteneck stammende Stürmerin erst mit 16 Jahren an. Die ebenso lange in Ruderting kickende, nicht verwandte Namensvetterin Anna Putz (28) hatte sie erstmals zum Training beim TSV Grafenau mitgenommen. "Ich war von Anfang an vom Fußball fasziniert. Zuerst haben sie mich in die Verteidigung gestellt. Wenig später ging es in den Sturm, weil ich recht schnell laufen konnte. Das hat ganz gut geklappt, deshalb bin ich bis heute da vorne geblieben", schmunzelt die Goalgetterin.

Der damalige Rudertinger Coach Rainer Liebl hatte das Putz-Duo 2010 nach Ruderting gelockt, beide wurden zu tragenden Säulen im Mannschafts-Gefüge. "Ich konnte bei den Trainern Rainer Liebl, später Tobias Breit und jetzt Patrick Madl ständig dazu lernen und mich verbessern. Sie haben immer auf mich gebaut und mir ganz viel Selbstvertrauen gegeben. Highlights waren natürlich die drei ausgiebig gefeierten Aufstiege, aber auch nach dem Abstieg aus der Landesliga 2013 hat die Truppe ganz fest zusammen gehalten."

Warum mit 27 Jahren schon die Fußballschuhe an den Nagel hängen? "Mei, wenn man zwei Kreuzbandrisse hinter sich hat, überlegt man schon, ob man dieses Risiko noch länger eingehen möchte." 2011 und 2017 verletzte sie sich jeweils schwer am Knie, immer ohne Fremdeinwirkung. Mit großem Ehrgeiz kämpfte sie sich jedes Mal zurück und stellte auch in der Bayernliga ihre Klasse nachhaltig unter Beweis. Hier führt sie nach wie vor mit 13 Treffern die Torschützinnenliste an, vor Teamkollegin Franziska Höllrigl (11), Vierte ist Johanna Maier (9).

Schon im Sommer war eigentlich der Schlussstrich geplant. "Aber da habe ich es einfach nicht übers Herz gebracht und wollte zumindest bis zum Jahresende durchziehen. Dass es Corona-bedingt nun vorzeitig in die Pause ging, ist sehr schade. Aber ich hatte Zeit, mich auf den Abschied vorzubereiten. Es waren superschöne Jahre, wir waren ein brutaler Haufen. Ich werde die Mädels schon arg vermissen", geht Sabrina Putz mit einem weinenden Auge. Der Kontakt wird aber ganz sicher nicht abreißen: "Die über die Jahre geschlossenen Freundschaften werden auf jeden Fall bleiben. Ich freue mich aber auch schon auf die Zuschauerrolle und drücke für den Saison-Endspurt ganz fest die Daumen."

Fußballspielen wird sie künftig nur noch beim Lehrersport in Neubiberg. Ansonsten will sich das Multitalent in "sämtlichen Ballsportarten" austoben. Johanna Maier bleibt näher dran am Rudertinger Frauenteam, wenn auch nur an der Seitenlinie. Sie wird bei der nächsten Wahl im kommenden Jahr nochmals als Spartenchefin zur Verfügung stehen: "Das ist ja praktisch meine zweite Familie. Und die verlässt man nicht so einfach." − He




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