26.11.2020

So viele Paraden wie noch nie: "Wettbewerbsverzerrer" Neuer – mit 34 in der Form seines Lebens



Jubelt nach seiner Super-Parade wie ein Stürmer: Manuel Neuer zeigte gegen Salzburg wieder einmal eine unglaubliche Rettungstat. −Foto: imago

Jubelt nach seiner Super-Parade wie ein Stürmer: Manuel Neuer zeigte gegen Salzburg wieder einmal eine unglaubliche Rettungstat. −Foto: imago

Jubelt nach seiner Super-Parade wie ein Stürmer: Manuel Neuer zeigte gegen Salzburg wieder einmal eine unglaubliche Rettungstat. −Foto: imago


Für die Torwart-Gala eines Manuel Neuer in der "Form seines Lebens" hatte Thomas Müller augenzwinkernd eine simple Erklärung parat. "Der wird doch immer nur angeschossen", witzelte Müller nach dem vorzeitigen Achtelfinaleinzug des FC Bayern in der Champions League.

Vorne brachte Robert Lewandowski den Titelverteidiger mit seiner nächsten großen Tor-Marke auf Kurs, hinten rettete Neuer mit Glanzparaden wie zu besten WM-Tagen. "Dass wir jetzt schon Gruppensieger sind, ist ein klarer Schritt in die richtige Richtung", sagte der deutsche Rekordnationaltorhüter.

Nach einer unglaublichen Rettungstat, als Neuer beim 3:1-Erfolg gegen RB Salzburg einen Schuss aus nächster Distanz irgendwie noch mit der Schulter über das Tor lenkte, riss der 34-Jährige am Boden die Arme hoch wie ein Stürmer beim Torjubel. Der beeindruckte Müller schrie seinen Weltmeisterkollegen von 2014 für diese Aktion euphorisiert an. "Manu spielt seit einem Jahr sensationell. Er ist in der Form seines Lebens", hob Trainer Hansi Flick hervor.

"Man tut halt, was man kann", sagte "Krake" Neuer am Mittwoch mit derselben Selbstverständlichkeit, mit der er zuvor Salzburgs Stürmer hatte verzweifeln lassen. In seinem 401. Pflichtspiel für die Münchner musste Neuer laut Statistik zehn Paraden zeigen, so viele wie noch nie. Mehr waren es in seiner Fußball-Karriere ohnehin nur ein einziges Mal. Im März 2008 rettete Jungspund Neuer im Achtelfinal-Krimi des FC Schalke gegen Porto gleich elfmal und avancierte danach noch zum Elfmeter-Helden.

Mehr als zwölf Jahre später sind überragende Leistungen vom vor einer Woche beim 0:6 der DFB-Auswahl gegen Spanien mit untergegangenen Neuer längst Alltag. Seit dem WM-Triumph 2014 gemeinsam mit dem damaligen Nationalelf-Assistenten Flick gilt er als einer der besten oder sogar als der beste Torhüter der Welt. "Manu ist ein wahnsinniger Profi, sehr fokussiert auf seinen Job", lobte Flick die Arbeitsauffassung des Ausnahmekeepers. Während der Corona-Zwangspause im Frühjahr trainierte er in einem passgenau in seinem Garten aufgestellten Tor. Diskussionen, ob ihm der aus Schalke gekommene Alexander Nübel den Platz der Nummer 1 streitig machen könnte, sind längst verstummt.

Woche um Woche bescheinigen ihm derzeit die Gegner, dass es keinen Besseren gibt. "Er ist der beste Tormann in der ganzen Welt", stellte am Mittwochabend RB-Coach Jesse Marsch fest. Die von PSG-Trainer Thomas Tuchel angeführte Aussage der "Wettbewerbsverzerrung" nach dem von Paris Saint-Germain verlorenen Champions-League-Finale gegen die Münchner angesichts starker Neuer-Szenen ist fast schon Kult.

"Wirklich unglaublich. Er ist wie Lewa – und der beste Torwart der Welt", beschrieb Mitspieler Kingsley Coman die zwei Ausnahmekönner. Beide wurden aus der Vorstandsetage schon als "sportliche und finanzielle Obergrenze" im Ensemble hervorgehoben. Der Vertrag von Neuer, der 2017 und 2018 lange verletzt ausgefallen war, war in diesem Jahr bis 2023 nach längerem Poker verlängert worden. An diese beiden kommt ein David Alaba, dessen Vertrag ausläuft, nicht ran.

Neben dem Lob für Neuer gab es von Trainer Flick aber auch Kritik. In den beiden ausstehenden Gruppenspielen will der Coach zwei weitere Siege – aber vor allem bessere Auftritte. Trotz des Blitz-Einzugs ins Achtelfinale gefiel ihm längst nicht alles. Der Erfolgscoach machte unnötige Ballverluste und Leichtsinn aus. "Man kann mit der Effizienz zufrieden sein. Aber wir haben zu viele Fehler gemacht", bemängelte Flick nach dem 46. Sieg in seinem 50. Bayern-Pflichtspiel.

Auch Neuer würde sich über weniger Arbeit nicht beschweren. "Wir haben zuletzt zu viele Gegentore bekommen und zu viele Chancen zugelassen", monierte er. Ist das nicht eine beunruhigende Tendenz? "Nein, wieso?", sagte er cool, "wir sind ja überall vorne. Sorgen mache ich mir keine."

Man sei weiter und das mit dem besten Torhüter, den es je gegeben habe, hob Jérôme Boateng zu nächtlicher Stunde in den Sozialen Netzwerken hervor. Müllers dort angebrachte Antwort, dass Neuer ja doch nur angeschossen werde, konterte Boateng postwendend. "So wie du." − sid/dpaHier lesen Sie: Viel Arbeit für den Eintrag in die Geschichtsbücher: Lewi trifft, Neuer hält, Bayern im Achtelfinale.




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