25.11.2020

Es braucht eine Neuerfindung, und zwar rasch: Lahm knöpft sich Jogi vor



Löw-Kritiker Lahm: Schon nach dem WM-Debakel im Jahr 2018 hatte der ehemalige Kapitän deutliche Worte in Richtung des Bundestrainers gefunden. −Foto: Imago Images

Löw-Kritiker Lahm: Schon nach dem WM-Debakel im Jahr 2018 hatte der ehemalige Kapitän deutliche Worte in Richtung des Bundestrainers gefunden. −Foto: Imago Images

Löw-Kritiker Lahm: Schon nach dem WM-Debakel im Jahr 2018 hatte der ehemalige Kapitän deutliche Worte in Richtung des Bundestrainers gefunden. −Foto: Imago Images


Joachim Löw muss seine "Ansprache anpassen", mehr Feuer zeigen und sich quasi selbst neu erfinden. Das fordert nicht irgendwer, sondern Philipp Lahm. Dass ausgerechnet der Weltmeister-Kapitän öffentlich so klare Forderungen stellt, macht die Lage für den Bundestrainer noch brenzliger.

Denn Lahm sitzt als OK-Chef der Heim-EM 2024 im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) – zwar nicht als stimmberechtigtes, dafür aber einflussreiches Mitglied. Bei der Sitzung am 4. Dezember hebt oder senkt das Präsidium in der Causa Löw den Daumen.

Will Löw auf die Unterstützung seines einstigen Musterschülers hoffen, muss er bei seiner Analyse Anfang der Woche im kleinen Kreis mit DFB-Präsident Fritz Keller und anderen Funktionären mehr vorbringen als ein paar kleinere Justierungen. "Die deutsche Nationalmannschaft braucht die Neuerfindung", schrieb Lahm in der "Sport Bild". Diese müsse "jetzt beginnen" und "sehr rasch sichtbar sein. Der Funke muss überspringen!"

Zwischen den Zeilen ist abzulesen, dass Lahm Zweifel daran hegt, ob Löw dazu noch in der Lage ist. Der 60-Jährige müsse "seine Ansprache an diese Generation anpassen", forderte Lahm, es läge "jetzt am Bundestrainer, seine Spieler von der Leine zu lassen. Mit den richtigen Worten kann er sie aufladen und motivieren." Es brauche "einen Bundestrainer, der diesen Spielern vermittelt, was es bedeutet, für Deutschland zu spielen." Und dann der pikante Zusatz: Auch Löw müsse "sich vor Augen halten, welche Verantwortung er selbst trägt."

Eine ähnliche Kritik am Führungsstil des Bundestrainers hatte Lahm bereits nach dem WM-Debakel 2018 geübt, was das Verhältnis der beiden nachhaltig belastete. Lahms neue Einlassungen verstärken die Zweifel am Bundestrainer. Löw dürfte im heimischen Freiburg, wo er sich - wie vom DFB-Präsidium öffentlich empfohlen - zur Klausur und inneren Einkehr zurückgezogen hat, mitbekommen, dass es einsam um ihn wird.

Dass die Niederlage gegen Spanien nachwirkt, bestätigte auch Toni Kroos. "Auf dem Platz habe ich mich bei einer Niederlage noch nie so chancenlos gefühlt", erklärte Kroos in seinem Podcast "Einfach mal Luppen" mit seinem Bruder Felix. Kroos blickt dennoch positiv in Richtung EM. Er hoffe, "dass wir das als Chance begreifen. Das wird auch wieder besser, das haben wir schon oft bewiesen", so der Weltmeister von 2014. Es sei nun wichtig, "sich anzusehen, was da so falsch gelaufen ist". − sid




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