12.11.2020

Fußball-Deutschland im Nachwuchs abgehängt: Jetzt setzt der DFB auf Funino



FUNino ist Kleinfeldfußball im 3 gegen 3, das in einer bestimmten Organisationsform auf 4 Minitore gespielt wird. −Foto: Screenshot youtube / Lakota

FUNino ist Kleinfeldfußball im 3 gegen 3, das in einer bestimmten Organisationsform auf 4 Minitore gespielt wird. −Foto: Screenshot youtube / Lakota

FUNino ist Kleinfeldfußball im 3 gegen 3, das in einer bestimmten Organisationsform auf 4 Minitore gespielt wird. −Foto: Screenshot youtube / Lakota


Fußball-Deutschland, meint Oliver Bierhoff, ist in arger Not. "Wir machen uns große Sorgen", betont der DFB-Direktor. Bierhoff spricht nicht über die kurzfristigen Aussichten der verjüngten deutschen Nationalmannschaft bei der EM im Sommer, sondern: über den Nachwuchs.

Denn der spielt international längst nicht mehr im Konzert der Großen. "Unsere Gegner sind nicht England, Italien, Frankreich, sondern Belgien, die Schweiz oder Dänemark", sagt Joti Chatzialexiou, beim DFB sportlicher Leiter der Nationalmannschaften. Und selbst gegen diese kleineren Nationen könne man sich "nicht mehr so durchsetzen, wie wir uns das als DFB wünschen".

Das dürfte spätestens nach dem Abschied der "goldenen" Jahrgänge 1995/96 um Joshua Kimmich, Leroy Sane und Serge Gnabry auch bei der A-Nationalmannschaft zum Problem werden. Deshalb steuert der Verband um – und setzt ganz unten an: Schon im Kinderfußball werden nun bei den Fünf- bis Zehnjährigen (G- bis E-Junioren) "ganz andere Schwerpunkte" gesetzt, wie Meikel Schönweitz, Chefcoach der U-Nationalteams, erklärt.

Das Ziel: "Spaß und Spiel müssen wieder in den Vordergrund", sagt Bierhoff: "Ballkontakte, Einsatzzeiten, Freude am Spiel." So soll auch die berühmte "Bolzplatzmentalität" wieder geweckt und der Spieler-Schwund im Nachwuchs gestoppt werden.

Wie das geht? Mit "Funino", meint der DFB. Der Begriff ist ein Kofferwort aus dem englischen Fun (Spaß) und dem spanischen Nino (Kind). Die Kernelemente: deutlich kleinere Teams und Spielfelder, keine Torhüter, vier (!) Mini-Tore, mehr (verpflichtende) Wechsel, kein zu früher Fokus auf Taktik, keine Tabellen, weniger Druck. Dazu eine neue Turnierform: siegreiche Teams steigen auf, unterlegene ab.

Die Idee: Wer öfter unter "Gleichen" spielt, hat mehr Erfolg und Spaß. "So holen wir Merkmale des Straßenfußballs zurück in unsere Ausbildung", sagt Markus Hirte, den sie beim DFB ihren "Mr. Kinderfußball" nennen. Funino sei "nicht das Allheilmittel, um Nationalspieler zu schaffen, aber eine absolut wichtige Basis".

Studien der Kölner Sporthochschule und der Uni Rostock zeigen, dass beim Zwei gegen Zwei oder Drei gegen Drei mehr Tore fallen und häufiger gedribbelt wird. Auch kommen mehr Pässe an, was auch Anfänger ermutigt. "Alle Experten, da gibt es keine zwei Meinungen, sehen diese Spielform positiv", sagt Chatzialexiou: "Wir haben die Überzeugung, dass uns das gut tut."

Doch an der Basis gibt es Zweifel. Die Besten, meinen die einen, würden bei all der Gleichmacherei verprellt, der Leistungsgedanke werde abgeschafft. Für die Torwart-Ausbildung, sagen die anderen, sei Funino fatal. Die meisten Kritiker führen den gesteigerten Material- und Organisationsaufwand als Hindernisse an.

Das Problem des DFB: Er kann die Neuerungen nicht verordnen, nur Empfehlungen aussprechen. Hirte wähnt den Verband dabei "auf einem guten Weg". In einer Videokonferenz mit Amateurvertretern seien viele Bedenken zerstreut worden, aktuell geht es mit allen 21 Landesverbänden in die erweiterte Pilotphase. In den Bundesliga-Leistungszentren aber, sagt Hirte, sei die Situation noch "sehr heterogen". Heißt: Längst nicht alle machen mit.

Am Ende, weiß Bierhoff, läuft alles über Erfolg. "Wenn die Nationalmannschaft erfolgreich spielt", sagt er, ziehe auch die Basis mit. − sid




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