12.02.2020

DSC geht in die Offensive: Kampfansage an die Liga, den DEB und an Online-"Schmierfinken"


von Sebastian Lippert


170 Fans waren am Mittwochabend zum Deggendorfer Fanstammtisch gekommen. −Foto: Lippert

170 Fans waren am Mittwochabend zum Deggendorfer Fanstammtisch gekommen. −Foto: Lippert

170 Fans waren am Mittwochabend zum Deggendorfer Fanstammtisch gekommen. −Foto: Lippert


Kampfansage an die Konkurrenten, Kampfansage an den DEB, Kampfansage an die Online-"Schmierfinken": Die Verantwortlichen des Deggendorfer SC haben beim Fan-Stammtisch am Mittwochabend im Deggendorfer Gasthaus "Beim Krahwirt" klare Kante gezeigt.

Der Vorsitzende Artur Frank, Sportdirektor Neville Rautert und Stefan Liebergesell standen circa 170 Fans des Eishockey-Oberligisten Rede und Antwort – und das so deutlich wie nur möglich.

Der Wirtshaus-Saal war randvoll, einigen Gästen blieb nur ein Stehplatz. Das ist nicht bloß eine Randnotiz: Immerhin war die Veranstaltung um 18 Uhr und unter der Woche angesetzt. Eins wurde dabei besonders deutlich: Der ständig propagierte Grant auf die DSC-Bosse ist vor allem ein Online-Phänomen; keiner der ständig ins Internet gerotzten Vorwürfe (kein Geld, bei Transfers geschlafen etc.) wurde ausgesprochen. Keiner der 170 stand auf, um Artur Frank die Meinung zu geigen. Keiner der 170 stand auf, um Neville Rautert vorzuwerfen, von seinem Job keine Ahnung zu haben. Keiner! Und alle 170 klatschten, als Stefan Liebergesell sich hinstellte, die Details des geplatzten Kruzik-Transfers erklärte und die Schuld dafür auf sich nahm. Sieht so ein Verein aus, der gespalten ist?

Das Thema der Kommentare auf Facebook, in Foren und Medienportalen ist es, das Artur Frank wüten lässt. Es geht ihm natürlich nicht um sachliche Kritik, sondern um Worte, die faktisch beleidigend oder erfunden und damit gelogen sind. Zuerst stellt der Vorsitzende dazu fest, dass seine Erwartung leider erfüllt wurde – nämlich, dass jene "Herrschaften heute bestimmt wieder mit Abwesenheit glänzen". Vielleicht war das auch so. Für den anwesenden Redakteur war jedenfalls nur einer dieser "Online-Häuptlinge" auszumachen. Dieser suchte später das persönliche Gespräch mit Artur Frank und scheute in der Fragerunde jene Aufmerksamkeit, in der man sich auf Facebook so gerne sonnt. Ansonsten? War's mucksmäuschenstill. So ließ Frank den offenbar abwesenden "Querulanten" eben ausrichten, dass er im Stadion jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung stehe.

Außerdem fordern Frank und der Klub den Deutschen Eishockey Bund auf, härter durchzugreifen – besonders bei Stockschlägen. Einem Füssener Spieler, Quirin Stocker, bringt das sogar eine Anzeige wegen Körperverletzung ein. Der DSC unterstellt dem EV-Spieler klare Absicht bei einem Stockschlag gegen Kyle Osterberg. Frank gab die Anzeige just am Mittwoch auf – und will auch in Zukunft davon Gebrauch machen. "Mir ist das wurscht, da sollen die ruhig denken: Jetzt kommt der wahnsinnige Chef vom DSC wieder! Egal! Ich schreib jedes Mal eine Anzeige." Es sei die Aufgabe der Schiedsrichter und des DEB, die Spieler zu schützen, egal von welcher Mannschaft; mit der Qualität von Referees habe das gar nichts zu tun. "Der DEB lebt von uns Oberliga-Mannschaften", ruft Artur Frank ins Publikum und erntet Beifall.

Auf Nachfrage eines Fans informiert er dann noch über den Zustand der verletzten DSC-Stürmer Osterberg und Andrew Schembri. Letzterer fällt wegen einer Unterkörperverletzung lange aus, für sein Comeback zu den Playoffs bestehe aber eine realistische Chance. Kyle Osterberg gehe es "den Umständen entsprechend gut"; bei ihm befürchtete man eine Gehirnerschütterung. Auf eine Nachfrage zum wirklich miesen Heim-Auftritt gegen die Selber Wölfe (3:7) am letzten Januartag nimmt Neville Rautert das Mikro in die Hand und warb um mehr Nachsicht und Geduld: "Ich weiß, wie hart die Jungs jeden Tag arbeiten. Aber sie sind auch nur Menschen, die haben eben mal einen schlechten Tag – und dann sieht gleich eine ganze Mannschaft schlecht aus."

Wenige Tage vor dem Duell beim Tabellendritten Eisbären Regensburg (Freitag, 20 Uhr) schickt Artur Frank, Geschäftsführer des DSC, dann eine Kampfansage an die Liga und wiederholt nochmals, was schon seit Beginn der Saison gilt: Der DSC will in die DEL2, das ist das erklärte Ziel. Die Worte werden ihm gern im Mund umgedreht, aber eine Gegenfrage, die Frank an diesem Abend nicht stellt, ist doch die: Welches andere Ziel sollte ein Absteiger aus der DEL2 denn sonst haben? Playoff-Runde 2?

"Diese Schmierfinken brauchen wir nicht!"

Aus diesem Grund hat man auch die 25.000 Euro als Bürgschaft hinterlegt; eine teure Formalie, die erstmal gestemmt werden muss und die man 2018 mit Mühe zusammenkratzen musste. Um auch die Gerüchte um die finanzielle Situation klarzustellen, bedient sich Frank der Ironie. "Natüüüüürlich hinterlegen wir die Bürgschaft, weil wir keinen Bock auf die DEL2 haben! Was sind schon 25 Tausend Euro? Wir haben Schulden bis unter die Turnschuhe, wir zahlen den Bus nicht, ja bei uns gibt's ja noch nicht mal Würstel, weil wir die Rechnung nicht bezahlen!" Die Message war klar, und den sportlichen Teil bekräftigt Artur Frank nochmals: "Wir wollen schon da hin in die DEL2, das ist kein Geplänkel! Wir können aber nicht nur mit Söldnern spielen, das können wir uns nicht leisten. Wollen wir auch nicht. Wir wollen junge Leute einbauen, die Bock haben auf Eishockey in Deggendorf, auf einen Kraftraum, auf eine geile Stadt!"

Auf diesem Weg seien alle herzlich willkommen. Nur, und jetzt nimmt Artur Frank kein Blatt vor den Mund: "Diese Schmierfinken, die irgendeinen Scheißdreck ins Internet schreiben – die brauchen wir nicht!"




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