14.10.2019

Wirbel wegen Foto-Affäre um Gündogan: Es ist aber nicht das einzige Problem für Jogi



Zwei Tore und ein dickes Eigentor: Ilkay Gündogan war der Matchwinner beim EM-Qualifikationsspiel in Estland, aber löste auch eine erneute Foto-Affäre aus. −Foto: Gambarini/dpa

Zwei Tore und ein dickes Eigentor: Ilkay Gündogan war der Matchwinner beim EM-Qualifikationsspiel in Estland, aber löste auch eine erneute Foto-Affäre aus. −Foto: Gambarini/dpa

Zwei Tore und ein dickes Eigentor: Ilkay Gündogan war der Matchwinner beim EM-Qualifikationsspiel in Estland, aber löste auch eine erneute Foto-Affäre aus. −Foto: Gambarini/dpa


Die Auswirkungen der neuen Foto-Affäre um den Doppeltorschützen Gündogan sind nur eines der Probleme, die der Bundestrainer in nächster Zeit anpacken muss. Der Umbruch im Nationalteam stockt trotz des 3:0 in Estland. Einige Fans zweifeln wieder vermehrt an Löw.

Nach einer Nacht des Zwiespalts um den Doppeltorschützen Ilkay Gündogan verbreitete Joachim Löw eine Gewissheit: Die Teilnahme an der EM-Endrunde im kommenden Sommer steht für den Bundestrainer nicht mehr infrage. Doch der beim 3:0 in Tallinn von einigen Fans wieder verbal attackierte Bundestrainer nimmt gleich eine Handvoll gravierender Probleme und eine Menge Ungewissheit mit in den Qualifikationsendspurt im November. Der sensible Umbruch in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft stockt.

Löw sucht acht Monate vor dem EM-Start mit mindestens zwei Heimspielen in München weiter nach dem geeignetsten Personal und System für die angestrebte Rückkehr zur Titeltauglichkeit. Und jetzt droht der Sportlichen Leitung und dem DFB in der neuen Foto-Affäre um Gündogan und Emre Can auch noch die Fortsetzung der Debatte um Werte und Einstellungen türkischstämmiger Nationalspieler, die maßgeblich mit zur misslungenen WM 2018 in Russland beigetragen hatte.

"Es war schwieriger, als wir es uns vorgestellt hatten", sagte Löw am Ende einer Länderspielwoche, die mehr Fragen aufwarf als sie beantwortete. Das war zwar am Sonntag hauptsächlich der schwierigen Situation in Unterzahl gegen plötzlich mutige Esten geschuldet. Die Nationalmannschaft ist aber auf dem angestrebten Weg der Wiedergutmachung nicht weiter als zu Jahresbeginn.

In der A. Le Coq Arena der estnischen Hauptstadt gab es von einigen mitgereisten deutschen Anhängern sogar Löw-raus-Rufe, als nach dem frühen Platzverweis für Emre Can die junge und personell weiter dezimierte Mannschaft die Orientierung verlor und es mit 0:0 in die Pause ging. Danach habe sein Team nach einigen kleinen taktischen Korrekturen "eine gute Reaktion gezeigt", lobte Löw. Von den Rücktrittsforderungen von der Tribüne habe er "nichts mitbekommen", sagte der 59-Jährige: "Ich habe die Rufe nicht gehört. Kann sein, das ist ihr gutes Recht."

Für grundlegende Sorgen sieht Löw trotz des Ausfalls etlicher etablierter Kräfte keine Gründe. "Wir wollen und werden die letzten beiden Spiele gewinnen. Wir werden uns qualifizieren für die EM", versprach der Bundestrainer für die ausstehenden Quali-Partien gegen Weißrussland und Nordirland. "Wir haben zu Null gespielt, drei Tore erzielt. Die drei Punkte sind das Wichtigste", resümierte Löw.

Er beförderte die Freiburger Robin Koch (23) und Luca Waldschmidt (23), den Schalker Suat Serdar (22) und den Leverkusener Nadiem Amiri (22) zu A-Nationalspielern. Inwieweit diese aus der Not geborenen Alternativen für die paneuropäische EM helfen können, ist offen. "In dem Lehrgang haben viele gefehlt, nicht schön, um uns einzuspielen. Die Zeit rennt uns davon", sagte der Dortmunder Routinier Marco Reus. Über Titelreife müsse deshalb jetzt niemand reden: "Das ist für mich der falsche Zeitpunkt, darüber zu sprechen, ob wir um den Titel mitspielen können. Wir müssen weiter hart arbeiten."

Erst einmal sind alle froh, dass der Wahl-Engländer Gündogan mit seinen zwei Treffern und einer Torvorlage für den eingewechselten Leipziger Timo Werner in Tallin dafür sorgte, dass der dreimalige Europameister in der Tabelle gleichauf mit den Holländern (je 15 Punkte) bleibt und erst einmal drei Zähler vor den Nordiren liegt.

"Natürlich bin ich unglaublich froh, dass ich der Mannschaft mit diesen beiden Schüssen auch weiterhelfen konnte", erklärte der 28 Jahre alte Gündogan. "Der Dosenöffner war das erste Tor von Illy. Ich freue mich immer, mit ihm zu spielen. Das ist einer der besten Kicker, die ich kennengelernt habe", sagte Abwehrmann Niklas Süle.

Löw braucht Gündogan und muss jetzt mit dafür sorgen, dass die Diskussionen um ihn und Can nicht ähnlich negative Auswirkungen zeitigen wie die erste Foto-Affäre von Gündogan und Mesut Özil. Beide hatten sich vor der WM 2018 mit Recep Tayyip Erdogan ablichten lassen. Das wurde von der Propaganda-Maschinerie des türkischen Präsidenten missbraucht. Löw mochte in der Zustimmung für den Salut-Torjubel türkischer Nationalspieler auf "keinen Fall ein politisches Statement" erkennen. "Wer beide Spieler kennt, der weiß, dass sie gegen Terror, gegen Krieg sind. Beide wollten dem Spieler, mit dem sie mal zusammengespielt haben, einfach nur gratulieren."

Gündogan unterstrich: "Emre und ich sind beide konsequent gegen jeglichen Terror und gegen jeglichen Krieg, egal, wo auf der Welt er stattfindet." Dennoch belasten die Likes für ein Instagram-Foto, das türkische Fußballer um den Siegtorschützen Cenk Tosun beim 1:0 gegen Albanien beim Militärgruß zeigt, nun das deutsche Nationalteam. Mit etwas Abstand übermittelte DFB-Direktor Oliver Bierhoff am Montagmittag via DFB-Internetseite: "Wir haben nach dem Spiel mit den Spielern gesprochen. Sie wissen auch, dass es ein Fehler war."

Bierhoff versicherte wie schon am Vorabend in Tallinn, beide hätten mit ihren Likes keine politischen Absichten verfolgt. "Wir vertrauen ihren Erläuterungen", betonte der 51-Jährige. Dennoch mahnte Bierhoff: "Sie müssen sich der großen Verantwortung und der Wirkung bewusst sein, die jede ihrer Aussagen und Aktionen, vor allem auch in den sozialen Netzwerken, nach sich ziehen können." Daher wolle der DFB weiter daran arbeiten, die Sinne seiner Spieler zu schärfen. "Da darf es keinen Raum für Interpretationen geben", sagte Bierhoff.




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