14.10.2019

Ex-Löwen-Star Berkant Göktan: Über Drogen, 1860 und Alkohol im Training



Berkant Göktan. −Foto: Sport1

Berkant Göktan. −Foto: Sport1

Berkant Göktan. −Foto: Sport1


Elf Jahre war Berkant Göktan nahezu von der Bildfläche verschwunden, nachdem er 2008 wegen Kokainmissbrauchs bei 1860 München rausflog. Nun gab er dem Onlineportal Sport 1 ein Interview. Darin blickt der Ex-Fußballprofi, der seine Karriere 1998 beim FC Bayern München startete und anschließend unter anderem auch für den 1. FC Kaiserslautern und Galatasaray Istanbul aktiv war, zurück und äußert sich erstmals öffentlich über seine Drogen- und Alkoholprobleme.

Berkant Göktan …

… über seine aktuelle Situation: "Mir geht es gut. Ich bin Familienvater und habe zwei Kinder. In den letzten neun Jahren habe ich Abstand vom Fußball genommen. Seit drei Wochen bin ich wieder in München, wohne mit meiner Frau und den beiden Kindern bei meinen Eltern und meinen Brüdern. […] Im Endeffekt kann ich die Zeit leider nicht zurückdrehen. Das Positive an allem ist, dass ich meine Frau in Thailand kennengelernt habe. Und mit ihr habe ich zwei tolle Kinder. Ich habe heute mein Leben wieder im Griff."

… über seine wechselhafte Profikarriere: "Nach einem gewissen Abstand empfinde ich sowohl Negatives als auch Positives. Es tut mir immer noch sehr leid, dass ich mich damals bei vielen Menschen nicht entschuldigt habe. Ich habe mich einfach nicht getraut, bin vor den Tatsachen weggelaufen. Ich brauchte Zeit für mich und deshalb habe ich Deutschland den Rücken gekehrt und bin ins Ausland."

… über das Aus bei 1860 München wegen Kokainmissbrauchs: "Ich habe sehr viele dunkle Erinnerungen. Mich hat es komplett zerstört und zusätzlich hat auch das Image des Vereins sehr stark gelitten. Wieder einmal, denn um 1860 gab es bereits davor immer wieder negative Schlagzeilen. Dann habe ich für weiteren Ärger in der Öffentlichkeit gesorgt. Das macht mich im Nachhinein immer noch fertig."

… über die Gründe für seinen Drogenkonsum: "Es war Dummheit und Gier. Es war eine Sache, die ich als junger Mensch ausprobiert habe und an der ich dann hängen geblieben bin. Man kann nicht von heute auf morgen aufhören. Es war ein großer Fehler. Der Verein hat damals auch bemerkt, dass ich mich verändert hatte. Persönlich, körperlich, in meinem ganzen Auftreten. Man merkte, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte. Die Vermutung mit Drogen lag nahe und war augenscheinlich."

… über seine Alkoholprobleme: "Ich muss hier zugeben, dass ich nicht nur ein Drogen-Problem, sondern auch ein Alkohol-Problem hatte. Ich habe sehr viel getrunken und war depressiv. Das war auch einer der Gründe, warum ich so lange im Ausland gelebt habe."

… auf die Frage, ob er früher betrunken zum Training kam: "Ja. Der Verein hat mich geschützt. Auch meine Mannschaftskollegen haben damals mitbekommen, dass ich alkoholisiert beim Training erschienen bin. Ich habe oft nach Alkohol gerochen."

… über die Hilfe der damaligen Verantwortlichen bei 1860 München: "Der damalige Sportdirektor Stefan Reuter hatte mir mit einem neuen super Vertrag sehr geholfen, hat damals finanziell das Maximum für mich rausgeholt. Doch nach der Unterschrift ging es weiter bergab für mich und einen Monat später kam die ganze Sache ans Licht. […] Es tut mir so leid, dass ich das Vertrauen von Herrn Reuter missbraucht habe. Auch Marco Kurz habe ich enttäuscht. Er war mein damaliger Coach bei den 1860-Amateuren, er hat mich fit gemacht und es mir ermöglicht, dass ich bei 1860 spielen konnte. […] Ich bereue wirklich sehr, dass ich mich nicht bei den Verantwortlichen, den Fans und den Spielern persönlich entschuldigt habe. Ich bin einfach abgehauen. Das tut mir sehr leid."

… über seinen aktuellen Gesundheitszustand: "Kokain habe ich seit meinem Aus bei 1860 nicht mehr genommen, wegen meines Alkoholkonsums habe ich mich bis zuletzt behandeln lassen. Ich habe sehr lange exzessiv getrunken. Und seit einigen Monaten trinke ich gar nicht mehr. Das war ein schwieriger Abschnitt in meinem Leben und es war verdammt hart alles zu verarbeiten, denn meine Vergangenheit hat mich immer wieder eingeholt. Aber ich musste stark sein für meine Familie."




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