10.07.2019

"Alles andere wäre eine Enttäuschung": Wie Türkgücü mit aller Macht in den Profifußball drängt


von Alexander Nöbauer


Eine Jubeltraube aus Türkgücü-Spielern – ein Bild, an das man sich in der Regionalliga wohl gewöhnen muss. 40 Tore hat der Liga-Neuling in seinen ersten fünf Vorbereitungsspielen erzielt. −Fotos: Butzhammer

Eine Jubeltraube aus Türkgücü-Spielern – ein Bild, an das man sich in der Regionalliga wohl gewöhnen muss. 40 Tore hat der Liga-Neuling in seinen ersten fünf Vorbereitungsspielen erzielt. −Fotos: Butzhammer

Eine Jubeltraube aus Türkgücü-Spielern – ein Bild, an das man sich in der Regionalliga wohl gewöhnen muss. 40 Tore hat der Liga-Neuling in seinen ersten fünf Vorbereitungsspielen erzielt. −Fotos: Butzhammer


Es ist ein sonniger Tag in Heimstetten vor den Toren Münchens. Robert Hettich kommt leger in Jeans, weißem T-Shirt und offenem, blauen Hemd am Sportgelände des SV Heimstetten an. Ein paar Monate ist das noch die sportliche Heimat von Türkgücü München, dann geht es in die Stadt, ins Grünwalder Stadion. Vor dem Saisonstart in die Regionalliga am Freitagabend gegen den SV Schalding (18.30 Uhr) ist der Aufsteiger in aller Munde. Der einstige Einwanderer-Verein hat auf Profibetrieb umgestellt, seine Gegner in der Vorbereitung förmlich überrollt – 4:0 gegen Europa-League-Qualifikant Levski Sofia, 12:0 gegen den letztjährigen Bayernliga-Konkurrenten SV Pullach. Die Regionalliga Bayern, sie soll für Türkgücü nur eine kurze Zwischenstation auf dem Weg in den Profifußball sein.

Hettich ist ein wichtiges Puzzlestück für den Erfolg: Er hat den Kader geplant, Spieler geholt. Auch den Trainer, Rainer Mauerer. Mit den Löwen war dieser einst in der 2. Liga. Bei Türkgücü ist er wegen Hettich, ebenso Ex-Sechziger. Zusammen haben die beiden mit Präsident Hasan Kivran das Team aufgebaut – und wie: Zweitliga-erfahrene Spieler wie den Ingolstädter Karl-Heinz Lappe oder Uerdingen-Kapitän Mario Erb, Drittliga-Routiniers wie den ehemaligen Burghauser Marco Holz, Regionalliga-Größen wie Kasim Rabihic aus Pipinsried, Furkan Kircicek aus Memmingen und Patrick Hasenhüttl aus Ingolstadt. 21 Neuzugänge, 18 Abgänge – die Bilanz des Sommers.

Einst bei 1860 und Wacker, jetzt hat Robert Hettich den Türkgücü-Kader geplant.

Einst bei 1860 und Wacker, jetzt hat Robert Hettich den Türkgücü-Kader geplant.

Einst bei 1860 und Wacker, jetzt hat Robert Hettich den Türkgücü-Kader geplant.


Wichtiges Kriterium: viel Regionalliga-Erfahrung

Geschaut habe man hauptsächlich darauf, sagt Hettich, Kräfte aus der Regionalliga zu verpflichten. "Uns war wichtig, dass der Großteil der neuen Spieler die Liga kennt. Sie sollen wissen, was in Schalding und Buchbach los ist." Freilich seien die Transferaktivitäten auch darüber hinaus, hinein Richtung Profigeschäft, gegangen. Gezogen hat dabei der Standortfaktor: "Der finanzielle Rahmen war oft nicht so entscheidend, einige Spieler wollten einfach wieder nach München kommen", weiß Hettich. Karl-Heinz Lappe, Marco Holz und Mario Erb sind die besten Beispiele dafür. Mit anderen Fußballern sei man im Dezember, einen Monat nach Hettichs Amtsantritt, in Kontakt getreten, "da waren Transfers aber noch ein Stück weit weg, weil Türkgücü unbekannt, nicht greifbar war." Mit einigen habe er gesprochen, die zunächst abgeblockt haben und dann im Mai kommen wollten. "Aber da waren die Posten dann halt schon besetzt."

Klar ist: Türkgücü will so schnell wie möglich in den Profifußball. Saisonziel also Aufstieg? Nicht nach außen zumindest: "Wir wollen vorne mitmischen", relativiert Hettich, gibt aber zu: "Alles andere wäre eine Enttäuschung."

Ein Unterbau in der Jugend ist nicht vorhanden

Alles ist aber auch bei dem Münchner Team der Stunde nicht Gold, was glänzt. Die Nachwuchs-Abteilung muss zum Beispiel dringend auf Vordermann gebracht werden. Eine zweite Mannschaft gibt es nicht, die A-Jugend ist in die Kreisklasse abgestiegen. "Da kann man dann nicht eben mal bei einem personellen Engpass einen Jugendspieler hochziehen." Umso wichtiger ist es, die Pläne für ein Jugendzentrum zu verfolgen. Ganz leicht ist das nicht: Beim Gelände an der Heinrich-Wieland-Straße handelt es sich um ein städtisches Areal, da kann man nicht einfach hinbauen. Erst letzte Woche hat sich die Mannschaft aufgrund der Bundesjugendspiele den Rasen mit Schülern teilen müssen. "Da muss man sich eben arrangieren", sagt Hettich und lacht.

Im März 2020 wird Türkgücü ins Grünwalder umziehen, die letzten fünf Spiele, unter anderem gegen Wacker Burghausen, bestreitet das Team dort. Fans müssen dann nicht mehr ganz raus in den Osten fahren, um ihr Team zu sehen. Um die 100 sind es an diesem Nachmittag in Heimstetten, großteils türkisch-stämmig. "Das sind eben unsere Wurzeln, die müssen wir beibehalten. Das ist unser Fan-Potenzial, nicht nur in München, sondern in ganz Deutschland", sagt Hettich.

Wie Türkgücü das Projekt Profifußball finanziert und warum der Verein seinen Kader radikal verjüngen musste, lesen Sie am Mittwoch, 10. Juli, im Sportteil der Passauer Neuen Presse und ihren Heimatausgaben.




URL: http://www.heimatsport.de/fussball/ueberregional/regionalliga_bayern/3380340_Alles-andere-waere-eine-Enttaeuschung-Wie-Tuerkguecue-mit-aller-Macht-in-den-Profifussball-draengt.html
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