16.11.2017

"Ein bisschen mehr Vertrauen": Schiri-Obmann Kinateder – ein Appell zum Abschluss


von Michael Duschl


Von 1989 bis Mai 2016 aktiver Schiedsrichter: Günter Kinateder, der fünf Jahre lang Landesliga-Spiele leiten durfte, musste verletzungsbedingt die Pfeife abgeben. − Foto: Michael Sigl

Von 1989 bis Mai 2016 aktiver Schiedsrichter: Günter Kinateder, der fünf Jahre lang Landesliga-Spiele leiten durfte, musste verletzungsbedingt die Pfeife abgeben. − Foto: Michael Sigl

Von 1989 bis Mai 2016 aktiver Schiedsrichter: Günter Kinateder, der fünf Jahre lang Landesliga-Spiele leiten durfte, musste verletzungsbedingt die Pfeife abgeben. − Foto: Michael Sigl


20. Auf diese Zahl ist Günter Kinateder aus Sonnen (Lkr. Passau) stolz. In seiner Amtszeit als Obmann der Schiedsrichter-Gruppe Wolfstein hat sich die Anzahl der Leistungsschiedsrichter (Kreisliga aufwärts) verdoppelt. "Die Gruppe Wolfstein gehört zu den bestens aufgestellten niederbayerischen Gruppen", sagt der 47-Jährige, der am Sonntag als Obmann abtrat. Als Nachfolger wurde bei der Jahreshauptversammlung Fabian Kilger (27) aus Mauth gewählt.

Aus persönlichen Gründen zieht sich Kinateder, der noch bis Saisonende 2018 Kreis-Obmann im Bayerwald-Fußball ist, als Funktionär zurück. "Ich bin der Meinung, dass nach einer gewissen Zeit frischer Wind reingehört", begründet der 47-Jährige den Schritt. Zudem hat der selbstständige Kinateder gespürt, dass er sich mehr Freizeit wünscht. "Ich bin kein Typ, der 20 bis 30 Jahre auf einer Position bleibt", schiebt er im Gespräch mit der Heimatzeitung hinterher.

Günter Kinateder verabschiedet sich mit einem guten Gefühl aus der Gemeinschaft der Wolfsteiner Schiedsrichter: "Die Entwicklung liest sich gut, wir konnten die Anzahl der Leistungsschiedsrichter kontinuierlich steigern, weil wir auf willige und junge Schiedsrichter gesetzt haben", berichtet der Sonnener, der angibt, dass er rund zehn bis 15 Stunden pro Woche für seine Aufgaben als SR-Obmann investiert hat. "Viele Arbeiten im Hintergrund" des Fußball-Spielbetriebs: Einteilungen, Tagungen oder "einfach nur Ansprechpartner sein für Probleme und Anliegen von Schiedsrichtern oder Vereinen", so umreißt Kinateder die Aufgaben.

Er, ein ruhiger und angenehmer Zeitgenosse, ist geradezu prädestiniert für eine derartige Rolle, die oft der eines Mediatoren gleicht. Bis 2010 war Kinateder selbst in den Leistungsklassen auf dem Rasen, darunter fünf Jahre lang als Landesliga-SR. Seit Mai 2016 hat er kein Spiel mehr gepfiffen, weil ihn ein Meniskusschaden im Knie so außer Gefecht setzt, dass keinerlei sportliche Aktivität mehr möglich ist, erzählt der Vater eines 22-jährigen Sohnes.

Die "Schiedsrichterei" lag und liegt dem 47-Jährigen sehr am Herzen, deshalb war er stets auf Lösungssuche für Probleme. "Gerade im Juniorenbereich werden Spiele oft kurzfristig verlegt oder von Schiedsrichtern zurückgegeben", sagt Kinateder. Derartige Absagen hätten gerade in jüngerer Vergangenheit zugenommen, so dass es immer schwieriger wird, alle Partien zu besetzen. "Zu meiner aktiven Zeit wusste man halt, dass am Samstagnachmittag erst die C und danach die A-Jugend spielt – das ist heute anders", merkt Kinateder an. Auch das machte die Nachwuchsarbeit der SR-Gruppe nicht einfacher: "Wenn wir nicht explizit Werbung machen würden, hätten wir schon lange keinen Neulingslehrgang mehr zusammenbekommen", berichtet der Ex-Obmann. Die Zeit, dass jeder Verein einen Sportkameraden in die Schiedsrichter-Ausbildung schickt, sei vorbei. Das stimmt Kinateder nachdenklich.

Deshalb richtet er zum Abschluss einen Appell an alle am Fußball interessierten und beteiligten Personen: "Ich wünsche mir, dass Schiedsrichter, Spieler, Funktionäre und Zuschauer fair miteinander umgehen. Fehler passieren, wir sind nicht in der Bundesliga. Bitte nicht alles auf die Goldwaage legen. Ein bisschen mehr Vertrauen ineinander wäre schön, weil ohne Schiedsrichter kann kein Spiel über die Bühne gehen und ohne Vereine hat ein Schiedsrichter kein Spiel zu pfeifen."




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