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Vereine



12.09.2012  |  23:45 Uhr

Marco Sturms größter Erfolg − "völlig surreal"

von Oliver Wagenknecht

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Im Rahmen des Jungfrau-Marathons in der Schweiz fand die Langdistanz-WM im Berglauf statt. Der Altöttinger Marco Sturm − hier 500 m vor dem Ziel am Speichersee "Fallboden" − schnitt unglaublich gut ab.  − Foto: Stinn

Im Rahmen des Jungfrau-Marathons in der Schweiz fand die Langdistanz-WM im Berglauf statt. Der Altöttinger Marco Sturm − hier 500 m vor dem Ziel am Speichersee "Fallboden" − schnitt unglaublich gut ab.  − Foto: Stinn

Im Rahmen des Jungfrau-Marathons in der Schweiz fand die Langdistanz-WM im Berglauf statt. Der Altöttinger Marco Sturm − hier 500 m vor dem Ziel am Speichersee "Fallboden" − schnitt unglaublich gut ab.  − Foto: Stinn


 Es gibt Tage im Leben eines Sportlers, da macht man einen tollen Wettkampf und wundert sich hinterher, wie eine solche Leistung nur möglich war. Genau so ist es Marco Sturm jetzt ergangen, und zwar im wichtigsten Rennen des Jahres, der Berglauf-Weltmeisterschaft über die Langdistanz. Bei den 42,195 km und 1839 Höhenmetern im Rahmen des Jungfrau-Marathons in der Schweiz erreichte der gebürtige Altöttinger den 10. Platz, war bester Deutscher und verhalf dem DLV-Nationalteam maßgeblich zum Gewinn der Bronzemedaille. Das Unglaubliche dabei: Sturm war gesundheitlich so schwer angeschlagen, dass er ernsthaft mit dem Gedanken gespielt hatte, seine Teilnahme abzusagen.

 Im Ziel auf der "Kleinen Scheidegg" sackt er erstmal zu Boden. Total leer und ausgepumpt. Exakt drei Stunden, zehn Minuten und 52 Sekunden hat er gebraucht, um vom Start in Interlaken auf die Passhöhe in 2100 m zu gelangen. Für die Traumkulisse mit Eiger, Mönch und Jungfrau, die sich bei strahlend blauem Himmel vor ihm auftürmt, hat der 35-Jährige keinen Blick. Von Muskelkrämpfen geschüttelt kauert er darnieder. "Vielleicht", so wird Sturm später in seinem Internet-Blog schreiben, "war ich der glücklichste Mensch in dem Moment".

 Kurze Rückblende. Mittwoch, vier Tage vor dem Rennen: Im kenianischen Hochland nahe Nairobi macht sich Sturm auf die Heimreise von seinem Trainingslager. Es geht ihm mies. Die Nase läuft, der Hals tut weh, vor allem rebelliert der Magen. Ein stundenlanger Umsteigestopp im heißen Dubai macht alles noch schlimmer. Daheim in Neuötting kommt er mit Schüttelfrost an, er hat Durchfall, muss sich übergeben. Sturm legt sich ins Bett − mit der Frage, warum er eigentlich gerade noch seine WM-Tasche gepackt hat.

 Mehrere Monate Vorbereitung liegen hinter ihm − und alles für die Katz? Er ringt hart mit sich selbst. Am nächsten Morgen fühlt sich Sturm ein klein wenig besser: Aufbruch in Richtung Schweiz.

Tags zuvor sieht er aus "wie ein Leichentuch" Dort macht er einen Tag vor dem Rennen den letzten Test − "im 5:15er-Schlappschritt" und "völlig ohne Laufgefühl". Die erhoffte Top-20-Platzierung würde er sich abschminken können. Aber wenigstens "für die Mannschaft" wollte Sturm laufen. Erst hinterher beichten ihm die Kollegen, er habe am Ankunftstag ausgesehen "wie ein Leichentuch"...

 Trotz allem stellt sich Sturm an den Start. Noch 20 Minuten zuvor habe ihn sein Magen ein letztes Mal "in die Büsche" getrieben, wie er erzählt. "Es stand eigentlich 30:70", so diktierte Sturm den Journalisten nach dem Rennen in die Blöcke, "dass ich überhaupt durchkommen würde."

 Doch dann − kaum ist er auf der Strecke − scheinen all die Probleme wie weggeblasen. Er sei "erstaunlich gut in die Gänge gekommen", berichtet Sturm. Nach dem ersten Kilometer findet er sich etwa an 30. Stelle wieder, bei Halbmarathon ist es Platz 25. Und im härtesten Teil des Laufs, wo auf dem Weg nach Wengen binnen fünf Kilometern 700 Höhenmeter zu überwinden sind, sammelt Sturm einen Konkurrenten nach dem anderen ein. Beim 30er-Schild ist er Zwölfter, kann auf einmal von den Top 10 träumen. "Nie zuvor" sei er im steilen Terrain so locker und flüssig unterwegs gewesen, wundert er sich.

 Ein Kilometer noch, der letzte − und plötzlich der Rückschlag: Sturm bekommt Krämpfe. Nicht im Magen, sondern in den Beinen. "Meine Wadenmuskulatur spielte total verrückt", schildert er. Kann sich kaum noch vorwärts bewegen, und auch Dehnübungen bringen keine Besserung. Einmal stürzt er sogar, der Engländer Robbie Simpson "fliegt" an ihm vorbei.

 Dann endlich das Ziel vor Augen. Sturm rettet seinen 10. Platz gerade noch über die Linie, nur sechs Sekunden vor Galen Burrell aus den USA. Den Titel gewinnt der Österreicher Markus Hohenwarter (2:59:42 Std.), in der Teamwertung holt Sturm wie schon 2010 Bronze, diesmal gemeinsam mit Ulrich Benz (18./3:15:13) und Stefan Hubert (23./3:16:17).

 Die unfassbare Energieleistung bezeichnet der Altöttinger später als seinen "größten sportlichen Erfolg bisher". Rang 10 ist für ihn "um einiges mehr wert" als sein Karriere-Highlight von 2009, als er bei der Berg-WM in Söll in Tirol Fünfter wurde. Diesmal sei die Besetzung "um Welten besser" gewesen, begründet Sturm. Er selbst ließ eine Reihe von Topläufern hinter sich, so den damaligen Weltmeister Marc Lauenstein aus der Schweiz, der Platz 14 belegte.

 Warum er nun letztlich so stark war, das kann Marco Sturm auch mit ein paar Tagen Abstand nicht recht erklären. Irgendwie war das alles "völlig surreal", meint er kopfschüttelnd. Doch sei’s drum: Wenn am Ende solch ein Ergebnis zu Buche steht, dann braucht’s keine großen Erklärungen.












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Dokument erstellt am 2012-09-12 19:07:33









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