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Vereine



22.03.2014 | 06:00 Uhr

Rechtsextremismus im niederbayerischen Amateurfußball: Hinschauen und handeln!

von Norbert Pangerl

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BFV und Schalding setzten ein Zeichen: Beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg II zeigten die Spieler ein Banner gegen Rassismus auf dem Fußballplatz. − Foto: BFV

BFV und Schalding setzten ein Zeichen: Beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg II zeigten die Spieler ein Banner gegen Rassismus auf dem Fußballplatz. − Foto: BFV

BFV und Schalding setzten ein Zeichen: Beim Spiel gegen den 1. FC Nürnberg II zeigten die Spieler ein Banner gegen Rassismus auf dem Fußballplatz. − Foto: BFV


150 Vereine und etliche Jugendgruppen hatte er angeschrieben, am Ende konnte Klaus Leserer, Jugendleiter des SV Haidlfing, etwa 25 Interessierte in der Vereinsheimgaststätte zum Vortrag des Journalisten Ronny Blaschke begrüßen. Die lauschten umso interessierter den Ausführungen des Experten über Rechtsextreme im Amateurfußball, die Arno Speiser von der Regionalen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus mit zahlreichen Fakten über die Szene in Niederbayern bereicherte.

Vor allem ganz unten wollen Rechte andocken"Fußball zieht viele Leute an, deshalb nutzen ihn Rechtsextreme", stellte Blaschke gleich zu Beginn seines Vortrags heraus. "Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" bahne sich im Fußball leichter ihren Weg in die Öffentlichkeit, als in Beruf oder Schule. "Wichtige Elemente sind dabei die Abgrenzung vom Gegner, Männlichkeit, Provokation. Das kann harmlos sein, aber wenn man es weiterdenkt, wird es gefährlich", mahnte Blaschke. In der Gesellschaft seien Menschenfeindlichkeit, Ressentiments gegenüber Ausländern oder Juden weit verbreitet, der Fußball ein Brennglas unter dem sich diese verdichten.

Referierte im Vereinsheim des SV Haidlfing über Rechtsextremismus im Fußball: Ronny Blaschke (rechts). − Foto: Birgmann

Referierte im Vereinsheim des SV Haidlfing über Rechtsextremismus im Fußball: Ronny Blaschke (rechts). − Foto: Birgmann

Referierte im Vereinsheim des SV Haidlfing über Rechtsextremismus im Fußball: Ronny Blaschke (rechts). − Foto: Birgmann


Anhand zahlreicher Beispiele zeigte Blaschke auf, wie Rechtsextreme vor allem in unteren Ligen in die Stadien und auf die Fußballplätze drängen. Ehrenamt, Schiedsrichterwesen, Ordnerdienste: "Ganz unten, da wo keiner hinschaut, und jede helfende Hand gebraucht wird, wollen Rechtsextreme andocken." Besonders Jugendliche würden sich oft vom vermeintlich Verbotenen, Coolen anziehen lassen. "Dort finden sie Freunde, erleben eine Aufwertung, das hebt ihr Selbstvertrauen", so Blaschke. Darum gelte es so früh wie möglich in den Vereinen Demokratie zu fördern, den jungen Kickern beizubringen, dass nicht nur das Team zählt, sondern jeder einzelne seine Meinung äußern darf. Diese Diskussionskultur sei enorm wichtig: "Ich war als Kind selbst Torwart und wurde vom Trainer zusammengebrüllt. Ich hatte noch lange Albträume", verdeutlichte der 32-Jährige, wie es nicht gemacht werden sollte.

In die Kritik nahm Blaschke die Medien, regional wie überregional. "Es wird erst berichtet, wenn Gewalt im Spiel ist, dabei müsste nicht die Spitze des Eisbergs, sondern die Basis gezeigt werden." Keine schlafenden Hunde wecken sei keine Argumentation, das Problem unter der Decke zu halten – weder für die Medien noch die Vereine. "Ignorieren, Wegschauen ist das Schlechteste, was Sie machen können. Schauen Sie hin, handeln Sie, es gibt genügend Ansprechpartner", appellierte Blaschke.

Arno Speiser ging im Anschluss auf die bayerische und niederbayerische Neonaziszene ein, nannte Namen wie Sascha Roßmüller, Walter Strohmeier junior oder Daniel Weigl, die dort agitieren. "Rechtsextreme wollen nicht Randgruppe sein, sondern versuchen in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen. Dafür suchen sie Nährboden, mitunter in Sportvereinen", erläuterte Speiser.

Am Beispiel des führenden NPD-Kaders Sascha Roßmüller, der in Rain bei Straubing lebt, verdeutlichte Speiser, wie perfide Neonazis dabei vorgehen. Roßmüller, dessen Sohn in der Jugend des SC Rain spielt und der bis vor kurzem eine Sicherheitsfirma betrieb, hatte Trainingsanzüge für die Jugendmannschaft gesponsert – ohne Wissen des Vereins und mit schickem Artikel in der lokalen Zeitung. "Einer unserer Trainer hat das organisiert, der Vorstand hat davon nichts mitbekommen, wir haben danach die Trainingsanzüge eingesammelt und vernichtet", erklärte Franz Boneder, Vorstandsmitglied des SC Rain, der im Publikum saß. Doch damit war die Sache nicht erledigt. Roßmüller sei daraufhin in der Hauptversammlung aufgetaucht.

"Wir wollten ihm das Geld zurückgeben, er wollte das nicht und meinte, wir sollten es für ein Trainingslager verwenden. Das kam für uns auf keinen Fall in Frage, dann ist er natürlich als großzügiger Wohltäter dagestanden." Für Boneder sei es die "schlimmste Erfahrung" gewesen, wie die Eltern reagierten, mit denen sich die Funktionäre zu einer Versammlung getroffen hatten. "90 Prozent von denen haben unsere Entscheidung nicht verstanden, das war erschreckend", sagte Boneder: "Roßmüller ist intelligent, versucht in Rain beliebt zu sein und die Leute kümmern sich zu wenig darum, was er tatsächlich macht."

"Wir müssen die Trainer sensibilisieren""Es kann jeden Verein treffen", mahnte Spielleiter Konrad Stöger in der von Boneders eindringlichen Worten angefachten Diskussion. Die rechtsextreme Szene sei sehr viel kleinteiliger geworden und daher für die Vereine schwierig zu beobachten. "Als Verein müssen wir die Trainer sensibilisieren", forderte Jugendtrainer Daniel Lang vom FSV Landau. Selbst bei den Kleinsten würden Kinder aus dem Nachbarverein schon verbal "runtergemacht". Göker Ögütlü von Türk Gücü Deggendorf berichtete von seiner Jugendzeit in "deutschen Mannschaften". Da habe es immer wieder mal Beleidigungen gegeben, aber keiner von denen, die mit ihm gekickt haben, sei rechtsextrem geworden.

"Wenn Vereine und Trainer Toleranz vorleben und eine gute Präventionskultur herrscht, haben es Rechtsextreme schwer. Bleiben sie in ihren Vereinen hellhörig", gab Arno Speiser den Besuchern abschließend mit auf den Weg.












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