von Reinhard Wilhelm
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Roland Hackl mit Veilchen − nach der Retusche.
Roland Hackl mit Veilchen − nach der Retusche.
20 Jahre gibt es nun den Heimatsport in der Passauer Neuen Presse. In einer Serie blicken wir zurück auf die Highlights der Berichterstattung. Teil (1): das Gastspiel des 1.FC Passau im Grünwalder Stadion gegen 1860 München.
Ja, die Fußball-Bayernliga war vor 20 Jahren noch die Dritte Liga in Deutschland.
So traditionsreiche Klubs wie der TSV 1860 München, die Spvgg Fürth, der FC Schweinfurt 05 oder der TSV Vestenbergsgreuth drückten dieser mit vielen Profis gespickten "Amateurspielklasse" ihren Stempel auf.
Und auch der 1. FC Passau gehörte wieder dazu − als Aufsteiger mit einem kleinen, aber feinen Spielerkader. Und so ergab es sich, dass die Passauer an einem Sonntagabend im September 1992 bei Lorants Löwen im Grünwalder Stadion gegen Roland "Magic" Kneißl und Kameraden ran mussten − unter Flutlicht vor mehr als 10 000 Zuschauern. Für den vor knapp zwei Wochen aus der Taufe gehobenen HEIMATSPORT ein erster Pflichttermin. Relativ blauäugig fuhren wir − Christian Karl als fotografierender Reporter und ich − ins alte München nach Giesing zwecks aktueller Berichterstattung und einer im Nachschub geplanten Sonderseite. Wir wussten nicht, dass wir uns für dieses Spiel bei den Sechzgern hätten akkreditieren müssen − einen offiziellen Presseausweis akzeptierten die von vielen Bundesliga-Jahren geprägten Löwen partout nicht. Also sollten wir Reporter aus der Provinz zunächst gar nicht reingelassen werden ins altehrwürdige Stadion. Erst als FC-Präsident Jürgen Wösner († 1995) sehr bestimmt erklärt hatte "Die gehören zu uns!", durften wir zusammen mit Spielern und Tross die geheiligte Stätte betreten und zur Berichterstattung auf der Passauer Ersatzbank Platz nehmen. Die Pressetribüne war für uns tabu. Noch ein Problem tat sich auf: Wie sollten wir den Spielbericht nach Passau übermitteln? Klar, einfach per Telefon. Handy im Handgepäck − damals noch Fehlanzeige, Luxus pur. Telefone gab es zwar im Stadion, nur: Wir durften sie nicht benutzen, weil wir es angeblich versäumt hatten, dafür bei der Stadt München einen Anschluss und somit einen Reporterplatz zu beantragen.

Die Westtribüne des TSV 1860 München beim Bayernligaspiel im September 1992 gegen den 1. FC Passau. − Fotos: Chr. Karl
Die Westtribüne des TSV 1860 München beim Bayernligaspiel im September 1992 gegen den 1. FC Passau. − Fotos: Chr. Karl
Was also tun? Der Kollege Hans Hubersberger wartete ja in der Sportredaktion auf unseren Bericht, spätestens zur Halbzeit sollten wir erstmals Kontakt mit ihm aufnehmen. Es blieb uns also nichts anders übrig, als außerhalb des Stadions ein Telefon ausfindig zu machen. Zunächst war es schwierig, das Stadion genau auf dem Weg zu verlassen, den wir gekommen waren. Und die Rückkehr musste ja auch gewährleistet sein. Irgendwie schaffte ich es, den Zerberus am Spielereingang zu überzeugen, dass ich jetzt raus musste, um zu telefonieren und zur zweiten Halbzeit auch wieder rein musste. Ich kam mir plötzlich vor wie ein Gefangener im Giesinger Löwen-Käfig.

FC-Präsident Jürgen Wösner gibt den Löwen-Bändiger. Im Spiel hatten die Passauer aber keine Chance.
FC-Präsident Jürgen Wösner gibt den Löwen-Bändiger. Im Spiel hatten die Passauer aber keine Chance.
Geschafft, ich war draußen. Wo ist nun das nächste Telefon? Keine Ahnung. Ich hielt mich rechts, lief im Dunkel der Nacht eine Straße entlang. Nach ein paar hundert Metern sah ich endlich eine Telefonzelle. Auch das noch! Eine Frau hatte sie besetzt, draußen wartete − noch relativ geduldig − ein Mann. Ich vermutete, es war ein Ehepaar türkischer Abstammung. Als der Mann erkannte, dass ich richtig "Druck" hatte, nötigte er seine Frau, ihr Telefonat sofort zu beenden. Heftigst protestierte sie in ihrer Muttersprache, da zog er sie ziemlich barsch am Ärmel raus aus dem Häuschen. Bass erstaunt ob der handgreiflichen Hilfestellung und gleichermaßen erleichtert stürmte ich ein flüchtiges "Danke!" stammelnd in die freie Telefonzelle. Hans Hubersberger saß schon auf Kohlen, als ich ihn endlich erreichte und berichtete, dass die Passauer sich vehement zur Wehr setzten, aber die 1:0-Pausenführung durch den überragend aufspielenden Roland Kneißl nicht hätten verhindern können. Nach dem Spiel − der 1.FC Passau verlor noch deutlich 0:4 − suchte ich diese Telefonzelle nochmals auf: dieses Mal war sie nicht belegt.

Nachbetrachtung im "Heimatsport" vom Spiel in der "Höhle der Löwen".
Nachbetrachtung im "Heimatsport" vom Spiel in der "Höhle der Löwen".
Gut 200 mitgereiste Passau-Getreue verloren sich damals unter den mehr als 10 000 fanatisch brüllenden Löwen-Fans. Mit Trainer Werner Lorant waren die Sechzger angetreten, endlich wieder in den gut bezahlten Fußball zurückzukehren. Als die Passauer, denen Lorant in der Pressekonferenz eine "starke Leistung" attestierte, deutlich geschlagen waren, saß der nun sichtlich erleichterte Wettberg-Nachfolger fester im Löwen-Sattel. So wurde ihm noch lange nach dem Spiel von den "Werner, wir danken Dir!" skandierenden Löwen-Fans gehuldigt.
Die Münchner stiegen in dieser Saison als Meister in die 2. Fußball-Bundesliga auf und schafften daraufhin auf Anhieb die Rückkehr ins Oberhaus. Der erste klare Saisonsieg im Heimspiel gegen den 1.FC Passau kann somit als Initialzündung für die 1992 beginnende neuere Erfolgsgeschichte der Löwen herhalten.
Während also die Löwen feierten, saßen die geschlagenen Passauer Kicker um den Ex-Sechzger Bernhard Meisl fassungslos auf dem Grünwalder Rasen und betrieben zusammen mit ihren jungen Trainer Günter Krinner erste Ursachenforschung, wie es denn zu dieser Schlappe überhaupt kommen konnte. Stürmer Sepp Gsödl verabschiedete sich nach diesem Spiel von seinen Fußballschuhen. Reiner Maurer, heutiger Löwen-Bändiger, hatte sie ihm bei einem harten Zweikampf gelb-würdig aufgeschlitzt.
Kollege Christian Karl hatte vor und während des Spiels viele Fotos geschossen, die trotz Flutlichts ganz ordentlich wurden; eines zeigt den FC-Präsidenten Jürgen Wösner im Stadion mit dem Löwen-Maskottchen; gar furchtlos packte er das Stoff-Raubtier am Schwanz. Ein anderes zeigt Roland Hackl im Kabinengang. Im Abschlusstraining hatte sich der kampfstarke Außenbahnspieler ein Veilchen abgeholt. Ihn und das "Blaue Auge" wollten wir für die Nachwelt ein für alle Mal festhalten. Das Blitzlicht aber hatte den Schatten unterm rechten Auge aufgelöst. Was also tun? In aller Eile zeichneten wir tags darauf in Passau mit einem Filzstift auf dem druckfertigen Repro-Papier den Bluterguss nach. Eine Todsünde! Dieser Lidschatten − wir unterstrichen damit ja eine Tatsache − brachte uns vom so entstellten Hackl Roland in der Nachbetrachtung der Lektüre ein paar "ganz nette, aber wenig druckreife Komplimente" ein. Recht hatte er!
| Pl. | Mannschaft | Sp. | Torverh. | Punkte |
|---|---|---|---|---|
1. |
SV Schalding-Heining |
35 |
56:25 |
75 |
2. |
SV Wacker Burghausen II |
35 |
63:34 |
64 |
3. |
BC Aichach |
35 |
71:38 |
60 |
4. |
Spvgg Landshut |
35 |
58:52 |
56 |
5. |
Spvgg Unterhaching II |
35 |
54:58 |
54 |
6. |
SSV Jahn Regensburg II |
35 |
55:45 |
53 |
7. |
FC Unterföhring |
35 |
56:49 |
52 |
8. |
1. FC Sonthofen |
35 |
52:51 |
51 |
9. |
Spvgg Hankofen-Hailing |
35 |
45:52 |
49 |
10. |
SB DJK Rosenheim |
35 |
50:46 |
47 |
11. |
VfB Eichstätt |
35 |
38:40 |
47 |
12. |
FC Affing |
35 |
60:63 |
47 |
13. |
TSV Schwabmünchen |
35 |
35:37 |
45 |
14. |
BCF Wolfratshausen |
35 |
48:49 |
43 |
15. |
Spvgg GW Deggendorf |
35 |
39:53 |
39 |
16. |
TSV Aindling |
35 |
40:63 |
38 |
17. |
TSV Gersthofen |
36 |
43:72 |
38 |
18. |
SC Fürstenfeldbruck |
35 |
34:53 |
34 |
19. |
TSV Kottern |
35 |
44:61 |
33 |
| FC Rinchnach |
|
|
|---|---|---|
| Mannschaften: | 6 | |
| Mitglieder: | 650 | |
| FC Tittling |
|
|
|---|---|---|
| Mannschaften: | 3 | |
| Mitglieder: | 600 | |
| TTV Vilshofen e.V. |
|
|
|---|---|---|
| Mannschaften: | 7 | |
| Mitglieder: | 150 | |
|
Johannes Trager
(15)
geb. 21.06.1997 TSV Massing 08 e.V. |
|
|---|
|
Christoph Vetter
(16)
geb. 01.10.1996 TSV Massing 08 e.V. |
|
|---|
|
Andreas Ritthaler
(16)
geb. 29.03.1997 TSV Massing 08 e.V. |
|
|---|
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