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Vereine



26.01.2013  |  10:00 Uhr

Rundum-sorglos-Paket für Talente: Wie Wacker versucht, in der Nachwuchsförderung konkurrenzfähig zu bleiben

von Oliver Wagenknecht

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Auf die Jugend will man beim SV Wacker künftig noch gezielter setzen als bisher. Aktuelles Beispiel: A-Junioren-Stürmer Selcuk Cinar (17, links) durfte unlängst mit den Profis ins Trainingslager.  − Foto: Butzhammer

Auf die Jugend will man beim SV Wacker künftig noch gezielter setzen als bisher. Aktuelles Beispiel: A-Junioren-Stürmer Selcuk Cinar (17, links) durfte unlängst mit den Profis ins Trainingslager.  − Foto: Butzhammer

Auf die Jugend will man beim SV Wacker künftig noch gezielter setzen als bisher. Aktuelles Beispiel: A-Junioren-Stürmer Selcuk Cinar (17, links) durfte unlängst mit den Profis ins Trainingslager.  − Foto: Butzhammer


Dass man im Burghauser Fußball mit seinen begrenzten finanziellen Möglichkeiten verstärkt darauf schauen sollte, den eigenen Nachwuchs bei der Stange zu halten, ist keine neue Erkenntnis. Auch gab es mehrfach schon Ideen in Theorie und Praxis, wie junge Talente gezielt weiterzuentwickeln sind. Nun aber wird hochoffiziell der nächste Versuch in diese Richtung gestartet: Vertreter der "Wacker Burghausen Fußball GmbH" und des Hauptvereins haben ein neues Konzept präsentiert, das (so hofft man) alles Bisherige in den Schatten stellen soll.

Das Anliegen schien ihnen offenbar ganz besonders wichtig, den Fußball-Funktionären von der Salzach. Bei der Vorstellung im Presseraum der Wacker-Arena waren sie jedenfalls gleich mit einem Großaufgebot von sechs Mann vertreten: vom GmbH-Vorstand Klaus Schultheiß über Geschäftsführer Florian Hahn, Aufsichtsrat Reinhard Frauscher, Fußball-Abteilungsleiter Josef Berger und Stellvertreter Thomas Weber bis hin zu Vereinsboss Christian Freyer. Seit einem Jahr, so Hahn, habe man an dem Projekt gearbeitet. Und es muss dabei, wie unter der Hand zu hören war, bisweilen sehr kontrovers zugegangen sein.

Herausgekommen ist das "Integrale Förderkonzept Fußball". Der Name des Machwerks klingt ein wenig nach komplizierter Mathematik, die dahinterstehende Rechnung ist freilich umso einfacher: Man will quasi durch ein Rundum-sorglos-Paket vermeiden, dass hoffnungsvolle Talente, die beim SV Wacker ausgebildet wurden, dem Verein den Rücken kehren, ehe sie als mögliche Verstärkungen an die Profimannschaft herangeführt werden können.

Diese Kröte nämlich hat man in der Vergangenheit schmerzlich oft schlucken müssen. Beispiel Benjamin Uphoff (19): Der Torwart, gebürtiger Burghauser und vor drei Jahren bei Wackers damaliger U 17 in der B-Junioren-Bundesliga zwischen den Pfosten, ist dem Klub durch die Lappen gegangen − und lieber zum "Club" nach Nürnberg gewechselt. Beim FCN gehört er nun als fester Bestandteil zur U 23 und sogar zum erweiterten Kader der "Ersten".

Es gibt viele weitere Namen von jungen Spielern, die statt in Burghausen zu bleiben bei anderen Vereinen untergekommen sind. Etwa ein Bastian Kurz (16), der in der U 17 des FC Augsburg spielt. Oder ein Darius Jalinous (15), nun beim FC Ingolstadt. Oder auch ein Simon Handle (20), der 2008 nach Österreich zu Red Bull Salzburg wechselte und mittlerweile beim SV Grödig gelandet ist.

"Die großen Vereine fischen Talente immer früher ab", sagt Wackers Vize-Fußballabteilungsleiter Thomas Weber, der das neue Jugendkonzept "federführend initiiert" hat (Hahn). Konsequenz aus dieser Beobachtung: Die jahrgangsübergreifende Förderung in einem eigens geschaffenen Talent-Pool beginnt nun bereits ab der C-Jugend, also der U 15.

Der künftige Förderkader, für den die Fußball-GmbH jährlich 50 000 Euro bereitstellt, soll laut Spartenchef Berger "acht bis zehn Spieler" umfassen. Gebunden werden diese an den Verein mit längerfristigen Verträgen, deren Dauer je nach Alter individuell festgelegt wird und die den Geförderten eine breite Palette an Unterstützung zusichern − zum einen finanziell (mit 150 bis 450 Euro pro Monat), natürlich sportlich, aber auch schulisch und beruflich.

Es geht damit los, dass die Talente die komplette Sportausrüstung gestellt bekommen und regelmäßig medizinisch durchgecheckt werden. Vor allem aber erhalten sie über das normale Training in ihrer Jahrgangsmannschaft hinaus zweimal im Monat ein spezielles Fördertraining, bei dem auch einer der Trainer aus dem Profiteam dabei ist. Zudem wird für jeden Spieler ein "Entwicklungsprofil" erstellt, in dem verschiedene Aspekte (wie Technik und Kondition, aber auch Persönlichkeit) in festen Abständen dokumentiert werden. Einmal pro Halbjahr bekommen die Kicker vom jeweiligen Übungsleiter ein konkretes Feedback, zusätzlich gibt es alle sechs Monate ein Elterngespräch.

Bei der Suche nach einer Unterkunft (Gastfamilie oder Wohnung) werden die künftigen Förderkader-Spieler ebenso an die Hand genommen wie in Fragen von Schule (z. B. Nachhilfe), Berufs- und Lehrstellenwahl (Praktika, Bewerbungen). Kurz gesagt: Ihnen wird eine vollständige, umfassende − neudeutsch: ganzheitliche − Betreuung geboten. Das ist es, was sich hinter dem Begriff "integrales Förderkonzept" verbirgt.

Freilich: Mit all dem revolutioniert der SV Wacker nun keineswegs die Jugendförderung im Lande. Andere Vereine, erst recht die der 1. und 2. Bundesliga, haben längst solche Programme aufgelegt. Und sie können Talenten in DFB-zertifizierten Nachwuchsleistungszentren weitaus mehr bieten. Was in Burghausen passiert, ist eher der Versuch, sich mit dem Aufbau besserer Strukturen neu zu positionieren − um zumindest halbwegs konkurrenzfähig zu sein. Denn, so gibt Aufsichtsrat Frauscher zu, man werde beim SV Wacker "nie ganz mithalten können mit Vereinen wie in Nürnberg, Augsburg oder München".

Und dennoch sei es nötig, dem Werben der Mächtigen nicht tatenlos zuzusehen, wie Klaus Schultheiß betont: "Es geht für unseren Verein um etwas ganz Existenzielles", so der Fußballboss, "mittelfristig können wir nur mit der eigenen Jugend überleben."

Sebastian Weiss, Mittelfeldspieler aus der Burghauser Bayernliga-U-17 und dem Vernehmen nach sehr umworben, hat übrigens als Erster seine Zusage zu einem der neuen Förderverträge gegeben.

Werden Wackers Fußballtalente in Zukunft also wie erhofft länger im Verein bleiben, idealerweise bis zu einer Profikarriere? Oder folgen sie im Zweifelsfall doch weiterhin dem Lockruf der Großklubs mit ihren noch besseren Möglichkeiten? Sicher voraussagen kann dies niemand. Bilanz ziehen lässt sich darüber erst in ein paar Jahren.












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