29.07.2010 | 09:57 Uhr | Kommentare

„Die Regel ist so schlecht nicht“

Bei den Diskussionen bei den Fußball-Vereinen kommt die neu eingeführte Rückwechsel-Regelung nicht gut weg. Jetzt meldet sich Spielleiter Wolfgang Lerbs zu Wort. Er führt die Vorteile vor, sieht aber auch Schwächen, zur deren Behebung er Lösungen unterbreitet.


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„Als Trainer bieten sich mir neue, taktische Möglichkeiten“, urteilt Wolfgang Lerbs über die neu eingeführte Rückwechsel-Regelung.

„Wie nicht anders zu erwarten war, stieß die neue, beim Verbandstag beschlossene Regel über das Rückwechseln größtenteils auf Ablehnung. Ein „Fußball-Lehrer im Amt“ ließ sich sogar zu der lapidaren Bemerkung „Riesenkrampf“ hinreißen. Nach einigem Überlegen jedoch muss man feststellen, dass diese Regelung so schlecht nicht ist. Sie ist ja - auch im Herrenbereich - nicht neu, denn schon seit Jahrzehnten wird in der Halle und seit ein paar Jahren auch auf dem Kleinfeld („Erdinger Cup“) mit Rückwechseln gespielt.
Als Trainer bieten sich mir neue, taktische Möglichkeiten, die meiner Mannschaft weiterhelfen (ich meine damit nicht die Möglichkeit der Zeitverzögerung, auf die ich noch eingehen werde). Ich kann zum Beispiel einen Spieler, der „Rot“ oder „Gelb-Rot“ gefährdet ist, vorübergehend aus dem Spiel nehmen und zur Ruhe kommen lassen. Damit ist er auch nicht weiteren Provokationen von Gegenspielern ausgesetzt. Spieler, die leicht angeschlagen sind, können gezielter, weil ausgiebiger behandelt werden und danach wieder am Spiel teilnehmen. Andere Spieler, die einen schlechten Start erwischt haben oder sich taktisch unklug verhalten, kann ich in einer Ruhepause neu einstellen. Wer sich ein bisschen genauer mit der Thematik beschäftigt und nicht immer gleich nur Nachteile sieht, wird erkennen, dass diese Regel so schlecht nicht ist, bietet sie doch Mannschaften auch die Chance, mit weniger als 14 Spielern erfolgreicher am Spiel teilzunehmen.
Zwei Kritikpunkte habe auch ich erkannt, und ich möchte Gegenvorschläge bringen, die diese Probleme beseitigen können. Natürlich besteht die Gefahr des Zeitspiels, wenn eine Mannschaft knapp in Führung liegt oder mit einer Punkteteilung zufrieden ist. Zeitspiel ist aber nur möglich, wenn dieses Auswechseln so stattfinden muss, wie es die Regel vorschreibt. Warum stellt man es nicht - wie auch in der Halle und im Kleinfeld - in die Verantwortung der Trainer, dass er einen Spieler erst dann aufs Feld schickt, wenn der Auszuwechselnde das Spielfeld (an der Mittellinie, wo der einzuwechselnde Spieler wartet) verlassen hat? Eine Unterbrechung und dann den nötigen Wechsel abzuwarten, bietet tatsächlich die Chance zum Zeitspiel. Dem Schiedsrichter die Verantwortung zu überlassen, bei eventuellem Regelverstoß den Wechsel nicht zuzulassen bzw. die Zeit nachzuspielen, gibt nur Anlass zu unnötiger Kritik und zu Streit. Mein Vorschlag: Beim ersten Wechselfehler (der Einzuwechselnde läuft auf das Spielfeld, bevor es der Auszuwechselnde verlassen hat) erhält die Mannschaft eine Verwarnung, bei jedem weiteren Wechselverstoß hat der Spielführer einen Spieler zu bestimmen, der nicht mehr am Spiel teilnehmen darf(ähnlich der Regelung in der Halle). Ich bin überzeugt, dass damit ein Missbrauch der Regel erst gar nicht versucht wird.
Eine zweite, mir als (ehemaligem) Trainer unverständliche Regelung schreibt vor, dass sich die Auswechselspieler in der Technischen Zone aufhalten müssen. Spieler, die aus dem Spiel genommen wurden und wieder eingesetzt werden sollen, müssen in Bewegung bleiben. Dies ist in der Technischen Zone auf keinen Fall möglich. Lasst doch die Spieler hinter dem „eigenen“ Tor sich aufwärmen, dort stören sie niemanden. Zur Auswechslung selbst müssen sie dann an die Seitenlinie, Höhe Mittellinie kommen.“

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